Schweiz: Corona-Update Dezember

Schweiz: JahresmortalitÀt seit 1900. Dezember 2020 extrapoliert. (Daten: BFS)

Publiziert: 20. Dezember 2020
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Die Schweiz registriert aufgrund der Corona-Pandemie auch im Dezember eine konstant hohe Übersterblichkeit. Die JahresĂŒbersterblichkeit im Vergleich zum statistischen Erwartungswert wird voraussichtlich etwa 6900 Personen betragen und ist nun auch im Diagramm der MortalitĂ€t seit 1900 deutlich zu erkennen (siehe in der Grafik oben den Ausschlag ganz rechts).

Die MortalitÀt im November und Dezember liegt mit je circa 0.102% der Bevölkerung im Bereich der stÀrksten Grippemonate seit 1950. Ein Àhnlicher Wert wurde zuletzt im Januar 1970 registriert (0.103%). Noch höhere Werte wurden im Heroin-Januar 1990 (0.115%) sowie wÀhrend den starken saisonalen und pandemischen Grippewellen der 1950er und 1960er Jahre registriert (bis 0.120%).

Die JahresgesamtmortalitĂ€t 2020 von voraussichtlich knapp 0.86% wurde zuletzt im Grippe- und Hitzejahr 2003 und im Grippejahr 2000 erreicht (siehe nĂ€chste Grafik). Das Medianalter der Corona-TodesfĂ€lle liegt in der Schweiz bei 86 Jahren, jenes der Hospitalisierten bei 74 Jahren. Circa 50% der TodesfĂ€lle erfolgten in Pflegeheimen, die 1% der Bevölkerung umfassen. In der Altersgruppe unter 65 Jahren zeichnet sich – im Unterschied zu schweren Grippewellen – keine Übersterblichkeit ab.

FĂŒr jĂŒngere Personen besteht das Hauptrisiko insbesondere in ernsthaften Long-Covid-Symptomen wie etwa Folgeeffekten einer LungenentzĂŒndung oder post-viralen ErschöpfungszustĂ€nden.

Insgesamt werden die Corona-TodesfÀlle 2020 etwa 10% aller Schweizer TodesfÀlle ausmachen.

Schweiz: Kumulative monatliche MortalitÀt in Spitzenjahren (Daten: BFS)

Laut den neuesten Zahlen lag die Antikörper-SeroprĂ€valenz im Hotspot Genf bis Anfang Dezember bei 22%. In der Deutschschweiz dĂŒrfte die SeroprĂ€valenz indes noch deutlich unter 20% liegen. Bei einem schweizweiten Wert von ca. 18% ergibt sich eine LetalitĂ€t (IFR) von ca. 0.45% fĂŒr die Gesamtbevölkerung und von ca. 0.22% fĂŒr die Allgemeinbevölkerung (ohne Pflegeheime).

Zum Vergleich: Bergamo erreichte mit einer SeroprĂ€valenz von 25% (Provinz) bis knapp 40% (Stadt) nach der FrĂŒhjahrswelle eine signifikante kollektive ImmunitĂ€t, die das Infektions­geschehen im Herbst und Winter nun stark limitiert. Dicht besiedelte Gebiete in LĂ€ndern wie Brasilien oder Iran erreichten indes höhere SeroprĂ€valenzen von circa 50% bis 70% (sogenannter “overshoot”).

BezĂŒglich Corona-Sterblichkeit liegt die Schweiz nahezu gleichauf mit dem vielgeschmĂ€hten Schweden ohne Lockdown und Maskenpflicht (ca. 760/M), wobei die AntikörperprĂ€valenz in Stockholm bereits bei ĂŒber 30% liegt. Angeblich vorbildliche LĂ€nder wie Tschechien und Slowenien (frĂŒhe Maskenpflicht, doppelter Lockdown) liegen mit ca. 1000/M deutlich vor der Schweiz.

Unter 100 TodesfĂ€llen pro eine Million Einwohner liegen in Europa nur noch Finnland und Norwegen (plus Island), die im FrĂŒhjahr gerade noch rechtzeitig Grenzkontrollen einfĂŒhrten und deshalb seit FrĂŒhsommer mit milden Maßnahmen auskommen. Zur Schweiz hĂ€tte eine solche “Igel- oder Reduit-Strategie” auch gut gepasst, aber vermutlich war es dafĂŒr im MĂ€rz bereits zu spĂ€t.

Der Schweizer Corona-Task-Force kann kein allzu gutes Zeugnis ausgestellt werden: ZunĂ€chst wurde die Allgemeinbevölkerung mit stark ĂŒberhöhten LetalitĂ€tswerten in eine unnötige Panik versetzt, danach folgte – teilweise gestĂŒtzt auf gefĂ€lschte Studien – eine Serie von weitgehend untauglichen MaßnahmenvorschlĂ€gen wie Masken, Massentests, Tracing-Apps und Remdesivir.

Zuletzt kamen vor allem noch wenig konstruktive Lockdown-Forderungen, obschon sich diese extrem disruptive Intervention selbst in vermeintlichen Vorbildern wie Irland kaum bewĂ€hrt hat – der Anstieg der Infektionszahlen ist dort seit Dezember zudem schon wieder höher als in der Schweiz.

Der grĂ¶ĂŸte Skandal dĂŒrfte aber darin bestehen, dass die Schweizer Task Force sowie Behörden und Medien die evidenzbasierte Prophylaxe und FrĂŒhbehandlung ignorierten bzw. sogar blockierten, obschon dadurch Hospitalisierungen und TodesfĂ€lle laut internationalen Studien selbst in Pflege­heimen um circa 80% reduziert werden können. Auch das “Wunder von Elgg” wurde ignoriert.

WĂ€re die Pandemie in der Schweiz ohne gesellschaftliche Verlangsamung im FrĂŒhjahr und Winter schlimmer ausgefallen? Absolut. WĂ€re sie mit systematischer Prophylaxe und FrĂŒhbehandlung in den Risikogruppen ĂŒber 65 deutlich weniger schlimm ausgefallen? Auf jeden Fall.

Die Schweiz wird nun wie andere LĂ€nder mit einer umfangreichen Impfkampagne beginnen. Es ist zu hoffen, dass sich diese technologisch teilweise neuartigen Impfstoffe als sicher und wirkungsvoll erweisen und die Pandemie beenden können. FĂŒr eine seriöse, langfristige Risikobeurteilung sind die bisher vorliegenden Daten indes tatsĂ€chlich noch nicht ausreichend.

Update: Schweiz im Lockdown (16. Januar 2021)

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