Das gewünschte Narrativ

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Was passiert, wenn sich ein Schweizer Jour­na­list bei geopolitischen Konflikten nicht an das gewünschte Narrativ hält und über die »falschen« Themen berichtet?

Heute kaum noch vorstellbar, doch mitten im Bosnienkrieg (1992-95) veröffentlichte der damalige Auslandschef der Weltwoche einen Artikel zu Kriegslügen in westlichen Medien.

Daraufhin geschah Folgendes:

“Meine Kollegin und ich gerieten jetzt auch redaktions­intern unter Beschuss … Unser Urteils­vermögen wie unsere moralische Grund­haltung wurden in Zweifel gezogen. …

Bald stimmte fast die gesamte Schweizer Presse in das Geheul gegen den Artikel ein. 16 Osteuropa-Korrespondenten schweizerischer Medien­unternehmen schrieben einen betupften (empörten) offenen Brief, in dem sie sich gegen den Vorwurf der Einseitigkeit verwahrten. …

Jetzt kam, nachdem wir zuvor bereits von der Berliner taz und der Süddeutschen Zeitung angegriffen worden waren, auch die Neue Zürcher Zeitung aus den Löchern … Der NZZ-Artikel rief nun auch den Besitzer der Welt­woche auf den Plan …

Schon zuvor hatte sich der Delegierte des Verwaltungs­rates unseres Unternehmens von einem Vorstands­mitglied der Süddeutschen Zeitung sagen lassen müssen, ob er eigentlich seine Zeitung ruinieren wolle. Mir wurde von Vorgesetzten­seite bedeutet, ich täte gut daran, vorläufig einmal zu Bosnien nichts mehr zu schreiben …

Später musste ich hören, dass in der Zeitungs­leitung im Zusammen­hang mit der Kontroverse meine vorüber­gehende Ablösung als Ressort­chef Ausland erwogen worden sei.”

— Hanspeter Born in: Serbien muss sterbien. Wahrheit und Lüge im jugo­slawischen Bürger­krieg.
Edition Tiamat, 1994, S. 74ff.

Ob unsere Journalisten dadurch ermutigt werden, unabhängig und kritisch über geopolitische Konflikte zu berichten?


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