Anschlag auf die Forschungsfreiheit

911_wtc7So ergeht es US-kritischen Forschern in der Schweiz: Der Historiker Dr. Daniele Ganser wurde 2006 nach einer Inter­vention der amerikanischen Botschafterin prompt von der ETH Zürich entlassen. Ganser forschte zu verdeckter Kriegs­führung und inszeniertem Terror durch die NATO im Kalten Krieg sowie zu den Anschlägen vom 11. September 2001 (siehe Artikel im ETH-Magazin).

Der Zürcher Tages-Anzeiger berichtete zum Eklat um Ganser:

“Mit seiner Kritik an der offiziellen 9/11-Version und seinen öffentlichen Stellungnahmen seit 2005 hat Ganser teils heftige Reaktionen ausgelöst. Gewisse Fachkollegen hätten ihm abgeraten, seine Forschungen zu den Terror­anschlägen von 2001 weiter­zu­führen. Einige hätten zwar unter vorge­haltener Hand zugestimmt, dass vieles ungeklärt sei. Andere hätten aber gemahnt, solche Fragen seien zu politisch und könnten auch in der Schweiz eine Karriere als Wissenschaftler ruinieren, erzählt Ganser. Er sei auch beschimpft worden, selbst die US-Botschaft in Bern habe protestiert.” (WTC7 und andere Rätsel um 9/11, Tages-Anzeiger vom 7. September 2011)

Der emeritierte ETH-Professor Albert Stahel, der die Anschläge zusammen mit Ganser untersuchte, bestätigte in einem Interview: »Mir persönlich wurde sogar gesagt, es gibt Fragen, die darf man im Zusammenhang mit 9/11 nicht stellen. Es war fast eine Art Diffamierungskampagne. Man hat angefangen, uns beide auf breiter Front zu diffamieren.« (Siehe beispielsweise: »9/11: Glaubensbrüder«)

Seit Ganser öffentlich als NATO-Kritiker auftritt, nehmen auch die negativen Medienberichte zu: So in der Schweiz am Sonntag (»Die Ganser-Verschwörung«), der NZZ (»Die Stimmen des digitalen Untergrunds«), der Weltwoche (»Missionar des Misstrauens«), dem SRF (»Die Anatomie von Verschwörungstheorien«), der WOZ (»Das Ganser-Phänomen«) und der TagesWoche (»Der Manipulator«).

Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Kampagne gegen den unbequemen Historiker im Februar 2017, als das SRF in der Polit-Sendung »Arena« Ganser durch Einblendung eines privaten und gekürzten Emails zu diskreditieren versuchte. Dies führte indes zu einer rekordhohen Anzahl Zuschauerbeschwerden und einer Rüge durch die Ombudsstelle.

Dennoch versuchten daraufhin die Ostschweiz am Sonntag, das St. Galler Tagblatt, die NZZ sowie die Aargauer Zeitung mit mehreren Artikeln, die Universität St. Gallen unter Druck zu setzen und zur Absage eines Kurses des Historikers zu bewegen. Ein unbeteiligter NZZ-Journalist, der sich im Zuge dieser Aktion anmerken ließ, dass auch er noch offene Fragen zum 11. September 2001 hat, wurde von seinem CEO und anderen Schweizer Journalisten sogleich öffentlich zurechtgewiesen.

Der Redaktionsleiter der SRF Tagesschau bestätigte bereits 2014 in einem bemerkenswerten Schreiben, dass sich das SRF bezüglich 9/11 trotz »vieler offensichtlicher und angeblicher Ungereimtheiten« an die »offizielle Sicht der Dinge« halten müsse. Zudem hätten Journalisten im Falle von 9/11 »keine investigativen Arbeiten zu leisten« – dies sei Sache der US-Behörden, so die SRF-Ombudsstelle.

Forschungsfreiheit ist ein hohes Gut. Doch wie frei sind Schweizer Forscher, wenn es um geopolitisch brisante Themen geht?

Hinweis: Dr. Ganser ist nicht Mitglied der SPR-Forschungsgruppe und kennt keines ihrer Mitglieder.


Aktualisiert: 6. November 2017

 

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