Migration und Medien

Worum geht es bei der Migration nach Europa, und warum wird sie von den etablierten Medien zumeist begrüßt, während ihre Ursachen und Folgen kaum kritisch hinterfragt werden?

Es geht um Geoökonomie: Ab circa 2025 wird die Bevölkerung in den reichen Ländern erstmals seit der Industriellen Revolution insgesamt schrumpfen, wodurch das auf anhaltendes Wachstum angewiesene Wirtschafts­system und die zugehörigen Finanzmärkte innerhalb kurzer Zeit kollabieren würden.

Um dies zu verhindern und zugleich mit Blick auf die Globalisierung die traditionellen, kleinräumig-national­­staatlichen Strukturen zu überwinden, wurden Mechanismen zur raschen Aufnahme von mehreren Millionen Migranten insbesondere aus dem afrikanischen und arabischen Raum geschaffen.

Tatsächlich war der ehemalige UNO-Mi­gra­tions­beauftragte Peter Sutherland zuvor Ge­ne­ral­di­rek­tor der Welt­handels­organisation, Wett­be­werbs­kommissar der EU sowie Präsident von Goldman Sachs Inter­na­tional. Bereits 2012 empfahl er der EU mit Blick auf Wachstum und Globalisierung, »ihr Möglichstes« zu tun, um die »ethnische Homogenität« der EU-Staaten durch Migration zu »unterminieren«.

Medial wird dieses »historisch einzigartige Experiment« der gesellschaftlichen Transformation durch ein humanitäres Narrativ flankiert, während ablehnende Politiker, die sich am »gemeinen Volk« statt an der globalen Strategie orientieren, zu »Populisten« wurden.

Die etablierten Medien wandelten sich mithin nicht von »rechts« nach »links«, sondern sie blieben eliten- und wachstumsorientiert. Früher gegen Sozial­progressive, heute gegen National­konservative: Po­li­tische Gegner und Gehilfen tauschten die Rollen, doch das geostrategische Ziel blieb das­sel­be.

Die Migrationspolitik sollte ursprünglich ergänzt werden durch internationale Frei­handels­zonen wie TTIP und TPP. Auf diese Weise würde ein integrierter Milliardenmarkt mit über 50% der weltweiten Wirtschafts­leistung entstehen, der es im 21. Jahrhundert mit China aufnehmen könnte.

Die unerwartete Wahl des migrations- und freihandelskritischen US-Präsidenten Trump und der uner­wartete Ausgang der Brexit-Abstimmung waren hingegen schwere Rückschläge für diese Strategie.

Geoökonomie: Demographie, Freihandel und Migration

Worum es bei der Migration nach Europa nicht geht

  1. Es geht nicht um ein ungewolltes Phänomen, denn Migration wird gefordert und gefördert.
  2. Es geht nicht um Humanitarismus, denn sonst würden die Ursachen – insbesondere Kriege und wirtschaftliche Ungleichheit – bekämpft. Doch das Gegenteil ist der Fall.
  3. Es geht nicht um Facharbeiter, denn diese müssten gezielt akquiriert werden – was im Falle von Entwicklungsländern jedoch ethisch fragwürdig wäre.
  4. Es geht auch nicht um unqualifizierte Arbeitskräfte, denn erstens verfügt Europa bereits selbst über mehrere Millionen Arbeitslose (inkl. Jugendarbeitslose), und zweitens entfallen durch Automatisierung in den kommenden Jahrzehnten weitere Millionen Arbeitsplätze.
  5. Es geht nicht um die Anwendung der sog. »Migrationswaffe« gegen Deutschland oder Europa, denn die Migration wird von den europäischen Eliten selbst gefordert, und sie betrifft insbesondere auch die Siegerstaaten des Zweiten Weltkriegs wie England, Frankreich und die USA.

Der Engpass des modernen, hochproduktiven Wirtschaftssystems sind nicht die fehlenden Arbeits­kräfte, sondern die fehlenden Konsumenten. Schrumpfende Nationalstaaten haben in der globali­sierten Welt des 21. Jahrhunderts insbesondere mit Blick auf China einen besonders schweren Stand.

Demographisch stagnierende oder schrumpfende Staaten wie Deutschland und Japan konnten ihr Wirtschaftswachstum seit ca. 2000 nur noch durch hohe Exportüberschüsse erhalten. Dieses Export­wachstum war wiederum primär aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas möglich.

Im selben Kontext ist die moderne Tiefzinspolitik zu sehen: Auf diese Weise soll das fehlende demographische und reale Wachstum kompensiert und Aktien- und Immobilienmärkte stabilisiert werden. Dies wiederum erfordert mittelfristig den Wechsel in ein digitales Geldsystem, um die Ent­nahme von Bargeld aus dem Bankensystem bei potentiell negativen Zinsen zu verhindern.

Doch wovon leben die Menschen, wenn sie als Arbeitskräfte nicht mehr benötigt werden, wohl aber als Konsumenten? Von Sozialhilfe bzw. einem Grundeinkommen, das durch Verschuldung oder Geld­schö­p­fung generiert wird – ein Konzept, mit dem sich auch das World Economic Forum bereits befasst.

Eine Alternative würde die Abkehr vom wachstumsorientierten Wirtschaftsmodell erfordern und so­mit die größte Umwälzung seit der Industriellen Revolution bedeuten. Allerdings wäre selbst damit die geostrategische und ökonomische Herausforderung durch das »Reich der Mitte« noch nicht gelöst.

Kritiker einer wachstumsorientierten Migration wie etwa der langjährige Direktor der UNO-Division für Be­völ­ke­rungs­entwicklung, Joseph Chamie, sprechen hingegen von einer »Ponzi-Demographie« mit unabsehbaren Folgen für die Gesellschaften der Herkunfts- und Zielländer sowie für die Umwelt.

Siehe auch


Beitrag teilen auf: Twitter / Facebook

November 2018; Aktualisiert: Juli 2019

WordPress.com.

Nach oben ↑