Deutschland im Corona-Winter

Deutschland: Bandbreite der monatlichen Mortalität, 1950 bis November 2020 (Quelle)

Publiziert: 13. Dezember 2020
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Deutschland war von der ersten Corona-Welle im Frühjahr nur leicht betroffen und registrierte bis November denn auch keine Jahresübersterblichkeit. Tatsächlich forderte eine kaum beachtete Hitzewelle im August ähnlich viele Menschenleben wie die erste Corona-Welle (siehe oben).

Warum entging Deutschland, im Unterschied zu den meisten Nachbarländern, der Frühjahrswelle weitgehend? Das neue Coronavirus dürfte in Deutschland etwas später eingetroffen und die ersten Maßnahmen etwas früher ergriffen worden sein; zudem dürften die ersten Infektionsketten etwas rascher unterbrochen und die Pflegeheime etwas besser geschützt worden sein als andernorts.

Bis im Sommer hatte Deutschland dadurch eine rekordtiefe Antikörper-Seroprävalenz von unter 2% (mit Ausnahme einiger lokaler Hotspots wie Gangelt). Damit war das Risiko für eine zweite und stärkere Infektionswelle ab Herbst jedoch sehr hoch. Dieser Anstieg konnte denn auch weder durch die wenig wirksamen Masken noch durch einen “Teil-Lockdown” im November verhindert werden.

Ab Dezember erreichte die Corona-Mortalität in Deutschland über 500 testpositive Todesfälle pro Tag, woraufhin die Politik einen zweiten vollständigen Lockdown beschloss. Die normale Mortalität bewegt sich im Winter zwischen 2.500 und 3.000 Todesfällen pro Tag. Laut Daten aus den USA und Italien dürften etwa 90% der PCR-positiven Todesfälle tatsächlich “an” Corona gestorben sein.

Deutschland: Tägliche Corona-Todesfälle, laufender 7-Tage-Durchschnitt (OWD)

Die Corona-Letalität (IFR) in der Allgemeinbevölkerung (ohne Pflegeheime) dürfte in Deutschland bei etwa 0.3% bis 0.5% liegen. Das Medianalter der deutschen Corona-Todesfälle liegt bei circa 83 Jahren, circa 60% davon erfolgen in Pflegeheimen. Hinzu kommen aber eine seit November stark steigende Anzahl an Covid-Intensivpatienten und ca. 10% Long-Covid-Patienten.

Ein Konzept zur ambulanten Prophylaxe und Frühbehandlung von Risikogruppen, mit dem Hospitalisierungen und Todesfälle laut internationalen Studien um bis zu 80% reduziert werden können, besteht in Deutschland bisher nicht. Auch ein gezielter Schutz der Risikogruppen wird – mit einigen beachtlichen Ausnahmen wie der Stadt Tübingen – kaum versucht (mehr dazu).

In der folgenden Abbildung ist die monatliche Mortalität in Deutschland von 1950 bis November 2020 dargestellt. Gut zu erkennen sind die starken saisonalen Grippewellen von 2018, 1986, 1960 und 1953 sowie die Hongkong-Grippepandemie von 1968-1970. Diese Jahre sind heute dennoch eher für das gleichzeitig stattfindende Woodstock-Festival und die 68er-Bewegung bekannt.

Andererseits forderte das neue Coronavirus in Deutschland bis Dezember insgesamt bereits fast so viele Leben wie die starke saisonale Grippewelle von 2017/2018 (circa 25.000 Todesfälle), obschon erst wenige Prozent der Bevölkerung damit infiziert wurden.

Deutschland: Monatliche Mortalität, 1950 bis November 2020 (Quelle)

Aufgrund der milden Wintermonate zu Beginn des Jahres und der Untersterblichkeit von Mai bis Juli wird die Mortalität dieses Jahr dennoch  eher unterdurchschnittlich ausfallen (s.u.). Die höchste Corona-Belastung steht für Deutschland in den Monaten bis April 2021 indes erst noch an. Die deutsche Regierung wird dies mit einer möglichst raschen Impfkampagne abzufangen versuchen.

Deutschland: Kumulierte jährliche Mortalität, 1990 bis Dezember 2020 (Quelle)

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