Deutschland im Corona-Winter

Deutschland: Bandbreite der monatlichen MortalitÀt, 1969-2020 (Quelle)

Publiziert: 13. Dezember 2020 (akt.)
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Deutschland war von der ersten Corona-Welle im FrĂŒhjahr nur leicht betroffen und registrierte bis November denn auch keine JahresĂŒbersterblichkeit. TatsĂ€chlich forderte eine kaum beachtete Hitzewelle im August Ă€hnlich viele Menschenleben wie die erste Corona-Welle (siehe oben).

Warum entging Deutschland, im Unterschied zu den meisten NachbarlĂ€ndern, der FrĂŒhjahrswelle weitgehend? Das neue Coronavirus dĂŒrfte in Deutschland etwas spĂ€ter eingetroffen und die ersten Maßnahmen etwas frĂŒher ergriffen worden sein; zudem dĂŒrften die ersten Infektionsketten etwas rascher unterbrochen und die Pflegeheime etwas besser geschĂŒtzt worden sein als andernorts.

Bis im Sommer hatte Deutschland dadurch eine rekordtiefe Antikörper-SeroprĂ€valenz von unter 2% (mit Ausnahme einiger lokaler Hotspots wie Gangelt). Damit war das Risiko fĂŒr eine zweite und stĂ€rkere Infektionswelle ab Herbst jedoch sehr hoch. Dieser Anstieg konnte denn auch weder durch die wenig wirksamen Masken noch durch einen “Teil-Lockdown” im November verhindert werden.

Ab Dezember erreichte die Corona-MortalitĂ€t in Deutschland ĂŒber 500 testpositive TodesfĂ€lle pro Tag, woraufhin die Politik einen zweiten vollstĂ€ndigen Lockdown beschloss. Die normale MortalitĂ€t bewegt sich im Winter zwischen 2.500 und 3.000 TodesfĂ€llen pro Tag. Laut Daten aus den USA und Italien dĂŒrften etwa 90% der PCR-positiven TodesfĂ€lle tatsĂ€chlich “an” Corona gestorben sein.

Deutschland: TÀgliche Corona-TodesfÀlle, laufender 7-Tage-Durchschnitt (OWD)

Die Corona-LetalitĂ€t (IFR) in der Allgemeinbevölkerung (ohne Pflegeheime) dĂŒrfte in Deutschland bei etwa 0.3% bis 0.5% liegen. Das Medianalter der deutschen Corona-TodesfĂ€lle liegt bei circa 83 Jahren, circa 60% davon erfolgen in Pflegeheimen. Hinzu kommen aber eine seit November stark steigende Anzahl an Covid-Intensivpatienten und ca. 10% Long-Covid-Patienten.

Ein Konzept zur ambulanten Prophylaxe und FrĂŒhbehandlung von Risikogruppen, mit dem Hospitalisierungen und TodesfĂ€lle laut internationalen Studien um bis zu 80% reduziert werden können, besteht in Deutschland bisher nicht. Auch ein gezielter Schutz der Risikogruppen wird – mit einigen beachtlichen Ausnahmen wie der Stadt TĂŒbingen – kaum versucht (mehr dazu).

In der folgenden Abbildung ist die monatliche MortalitĂ€t in Deutschland von 1950 bis November 2020 dargestellt. Gut zu erkennen sind die starken saisonalen Grippewellen von 2018, 1986, 1960 und 1953 sowie die Hongkong-Grippepandemie von 1968-1970. Diese Jahre sind heute dennoch eher fĂŒr das gleichzeitig stattfindende Woodstock-Festival und die 68er-Bewegung bekannt.

Andererseits forderte das neue Coronavirus in Deutschland bis Mitte Dezember insgesamt bereits fast so viele Leben wie die starke saisonale Grippewelle von 2017/2018 (circa 25.000 TodesfÀlle), obschon erst wenige Prozent der Bevölkerung damit infiziert wurden.

Deutschland: Monatliche MortalitÀt, 1950 bis November 2020 (Quelle)

Aufgrund der milden Wintermonate zu Beginn des Jahres und der Untersterblichkeit von Mai bis Juli wird die MortalitĂ€t dieses Jahr dennoch eher durchschnittlich ausfallen (s.u.). Die höchste Corona-Belastung steht fĂŒr Deutschland in den Monaten bis April 2021 indes erst noch an. Die deutsche Regierung wird dies mit einer möglichst raschen Impfkampagne abzufangen versuchen.

Deutschland: Kumulierte jÀhrliche MortalitÀt, 1990 bis Dezember 2020 (Quelle)

Siehe auch


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