Dr. Drosten im Faktencheck

Deutsche Virologen und Mediziner (Grafik: FAZ)

Aktualisiert: 25. August 2021
Publiziert
: 6. Juni 2021
Teilen auf: Twitter / Facebook

Der bekannte deutsche Virologe Dr. Christian Drosten gab dem Schweizer Online-Magazin Republik im Juni ein Interview zur Corona-Pandemie. Doch ein aktualisierter Faktencheck zeigt: Dr. Drosten lag mit fast allen seinen EinschÀtzungen und Prognosen falsch.

Der Fall Drosten illustriert beispielhaft die KomplexitÀt der Pandemie, die Gefahr einer politisierten Wissenschaft, sowie das weitgehende Versagen klassisch-konformer Medien.

Hinweis: Es folgt eine sachlich-kritische Analyse. Bitte verwenden Sie diese nicht fĂŒr persönliche Angriffe oder Agitation; die Analyse muss sonst depubliziert werden.

1) Ursprung des Coronavirus

Drosten: “Diese Idee eines Forschungs­unfalls ist fĂŒr mich ausgesprochen unwahrscheinlich, weil es viel zu umstĂ€ndlich wĂ€re. () HĂ€tte man im Labor also eine Art Sars-2 entwickeln wollen, dann hĂ€tte man Änderungen, zum Beispiel diese furin site, in so einen Sars-1-Klon eingefĂŒgt. () Aber das war hier nicht der Fall.”

Bewertung: Eine sonderbare Aussage, denn es wurde von Fachleuten nie angenommen, Sars-Cov-2 sei aus Sars-Cov-1 entstanden oder entwickelt worden. Vielmehr verfĂŒgte das Wuhan-Institut ĂŒber circa ein dutzend der nĂ€chsten Verwandten von Sars-Cov-2 und forschte mit diesen Viren seit 2017, wobei durch Kooperationen noch andere Labore Zugriff auf diese Daten hatten. Auch die genetische Evidenz (FCS mit CGG-Doppel-Arginin-Codon) deutet auf eine Manipulation hin.

TatsĂ€chlich zeigen in den USA freigegebene E-Mails, dass Dr. Drosten schon im Februar 2020 einer Gruppe von Virologen um NIAID-Direktor Dr. Anthony Fauci angehörte, die den intern bereits vermuteten Labor-Ursprung des Coronavirus zu vertuschen versuchte. Das NIAID arbeitete mit dem Wuhan-Institut zusammen und unterstĂŒtzte dessen Coronaviren-Forschung. Damit erscheint Dr. Drostens irrefĂŒhrende Argumentation womöglich in einem neuen Licht.

2) Suche nach dem Ursprung des Virus

Drosten: “Und jetzt kann ich Ihnen sagen, dass es keinerlei Studien gibt in der wissenschaftlichen Literatur – keinerlei –, welche die Frage beleuchten, ob Marderhund-Zucht­bestĂ€nde oder auch andere Karnivoren-Zucht­bestĂ€nde, Nerze zum Beispiel, in China dieses Virus, Sars-2, tragen.”

Bewertung: Auch diese EinschĂ€tzung ist nicht zutreffend: Sowohl innerhalb Chinas als auch außerhalb Chinas gab es umfangreiche Nachforschungen nach einem tierischen Wirt, die jedoch alle erfolglos blieben. Die Resultate dieser erfolglosen Nachforschungen wurden auch in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten publiziert, von den Medien indes kaum aufgegriffen.

3) Wirksamkeit der Impfung

Drosten: “Nun haben wir etwas ZusĂ€tzliches, das Übertragungen noch viel besser reduziert als Kontakt­maßnahmen: die Impfung. () Alle, die sich nicht impfen lassen, werden sich mit Sars-2 infizieren. () Die Impfung schĂŒtzt uns deswegen vermutlich tatsĂ€chlich mehrere Jahre davor, ernsthaft krank zu werden. () Also eine Mutante, die auf einmal wieder eine schwere Krankheit macht bei der Mehrheit der Geimpften, das kann ich mir nicht vorstellen.”

Bewertung: Drosten ĂŒberschĂ€tzte die lĂ€ngerfristige Wirksamkeit der Impfung massiv. Der Schutz vor Infektion und Übertragung schwindet bereits nach wenigen Wochen. Deshalb werden sich nicht nur die Ungeimpften, sondern auch die Geimpften infizieren. Auch der Schutz vor schwerer Erkrankung lĂ€sst bereits nach wenigen Monaten deutlich nach. Zudem gelang es bereits der indischen Delta-Variante, den Impfschutz teilweise zu umgehen und schwere Erkrankungen auszulösen.

4) Saisonale Effekte

Drosten: “Beides zusammen [Impfung und Lockdown] und die wĂ€rmeren Temperaturen, welche Übertragungen um rund 20 Prozent reduzieren, heißt: Es geht runter mit den Zahlen. () Wenn es jetzt so weitergeht, mit Augenmaß, und wenn man die Pandemie so definiert, wie wir das eben getan haben: dann, ja, die Situation ist dann zu Ende.”

Bewertung: Diese EinschÀtzung ist gleich mehrfach unrichtig:

Erstens geht es beim saisonalen Effekt nicht primĂ€r um die Temperaturen – sonst hĂ€tten LĂ€nder wie Brasilien oder Indien keine Pandemie erlebt – sondern um bis heute weitgehend unverstandene Faktoren wie etwa relative Luftfeuchtigkeit oder UV-Strahlung.

Zweitens betrĂ€gt der saisonale Effekt nicht “rund 20%”, sondern nahezu 100%, weshalb Grippe- und Coronaviren in den gemĂ€ĂŸigten Klimazonen im Sommer normalerweise weitgehend verschwinden. Allerdings gelang der indischen Delta-Variante “trotz Impfungen” und entgegen der Prognose von Dr. Drosten erstmals eine Sommerwelle mit erneut steil ansteigenden Infektionen.

Drittens hatten Lockdowns und Impfungen im FrĂŒhjahr kaum einen Einfluss auf den RĂŒckgang der Infektionen in Europa: so gingen die Infektionen auch in LĂ€ndern ohne Lockdown (z.B. der Schweiz) und mit minimaler Impfquote (z.B. in Osteuropa) gleich stark zurĂŒck wie in Deutschland.

5) Impfung von Kindern

Drosten: “Soeben ist eine Studie heraus­gekommen, die zeigt: UngefĂ€hr viereinhalb Prozent der infizierten Kinder haben nach einem Monat noch Symptome wie Geruchs­verlust, Geschmacks­verlust, dauerhafte MĂŒdigkeit. () Das andere ist das sogenannte Multi­system-Inflammations­syndrom [PIMS], das bei einem von ein paar tausend auftritt: eine schwere Erkrankung, die bis zu sechs Monate dauern kann. Aus Eltern­perspektive wĂ€re mein Kind geimpft. Klarer Fall.”

Bewertung: Das Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis fĂŒr eine Impfung von Kindern ist keineswegs ein “klarer Fall”, da Covid bei Kindern zumeist mild bleibt, wĂ€hrend die Covid-Impfung zu schweren und tödlichen Reaktionen wie HerzentzĂŒndungen, Hirnblutungen und neurologischen SchĂ€den fĂŒhren kann. Zudem zeigen Studien, dass Covid-Impfungen das Risiko fĂŒr “Long Covid” und PIMS kaum reduzieren können – im Gegenteil kann die Covid-Impfung selbst PIMS auslösen.

Das Risiko von “Long Covid” bei Kindern setzte Dr. Drosten anhand einer einzelnen, nicht reprĂ€sentativen Studie hoch an. Der Sprecher des Berufsverbandes der deutschen Kinder- und JugendĂ€rzte erklĂ€rte dazu in einem Interview: “Sie mĂŒssen schon mit einer sehr, sehr großen Lupe suchen, um FĂ€lle von Long Covid bei Kindern zu entdecken.”

6) “False balance” durch Medien

Drosten: “Was mir ĂŒberhaupt nicht klar war, ist diese false balance, die entstehen kann in der Öffentlichkeit, in den Medien. Und dass man diese nur bedingt korrigieren kann. () Dass man sagt: Okay, hier ist eine Mehrheits­meinung, die wird von hundert Wissenschaftlern vertreten. Aber dann gibt es da noch diese zwei Wissenschaftler, die eine gegenteilige These vertreten. In der medialen PrĂ€sentation aber stellt man dann einen von diesen hundert gegen einen von diesen zweien. Und dann sieht das so aus, als wĂ€re das 50:50, ein Meinungs­konflikt.”

Bewertung: Der vorliegende Faktencheck zeigte, dass Dr. Drosten mit fast allen seiner EinschĂ€tzungen und Prognosen selbst falsch lag, darunter auch mit seiner folgenreichen FehleinschĂ€tzung, Kinder seien “Treiber der Corona-Pandemie” und Schulen mĂŒssten geschlossen werden. Es stellt sich mithin eher der Frage, ob die Medien nicht Dr. Drosten zu viel und seinen seriösen Kritikern zu wenig Platz eingerĂ€umt haben.

Zum ganzen Interview

Siehe auch


Teilen auf: Twitter / Facebook

WordPress.com.

Up ↑