Deutschland im Corona-Frühling

Deutschland und Europa: Kumulierte Corona-Todesfälle (OWD)

Publiziert: 22. März 2021 (akt.)
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(In German only; about the situation in Germany)
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Wie von SPR und vielen anderen unabhängigen Analysten antizipiert, wurde aus dem kurzen deutschen “Wellenbrecher” im November ein bald halbjähriger Lockdown. Die politisch-virologisch definierten Grenzwerte erlaubten im Winterhalbjahr erwartungsgemäß keine Öffnung mehr.

Haben sich die Entbehrungen, epidemiologisch, wenigstens gelohnt? In Deutschland kam es bisher zu knapp 75.000 “Corona-Todesfällen” (Medianalter 83 Jahre, ca. 40% in Pflegeheimen). Bei einer Corona-Mortalität wie in der Schweiz wären es etwa 100.000; wie in Schweden, 110.000; wie in England, 150.000; und wie im Nachbarland Tschechien, bereits knapp 200.000 (siehe Grafik oben).

Man sieht dies auch an der Antikörper-Seroprävalenz: Sie lag in Deutschland im Sommer 2020 bei nur 1.8%, bis Dezember bei circa 5%, und bis März 2021 bei knapp 15% (Senioren eher darunter). Das entspricht in etwa den am wenigsten betroffenen US-Bundesstaaten, wie Oregon und Washington, während New York bei circa 35% und South Dakota bei knapp 50% liegen. Die regionalen Unterschiede dürften inzwischen auch in Deutschland beträchtlich sein (s. Karte unten).

In Europa werden die deutschen Werte, abgesehen von Island, fast nur noch von Finnland und Norwegen unterboten (Dänemark liegt dazwischen), die im Frühjahr 2020 gerade noch rechtzeitig die Grenzen schlossen und seither ein striktes Grenzmanagement beibehielten, während sie auf ineffektive Maßnahmen, wie der Maskenpflicht, verzichteten. Bayern zeigte zuletzt, weltweit erstmalig, dass selbst eine FFP2-Pflicht in der Allgemeinbevölkerung keinen Nutzen hat.

Eine genauere Analyse zeigt zudem, dass sich die bundesweite Corona-Mortalität in Deutschland in der zweiten Welle, trotz Dauer-Lockdown, nahezu identisch entwickelte wie im liberalen Schweden, dessen Mortalität weiterhin exakt im EU-Durchschnitt liegt. Der Vorteil Deutschlands liegt mithin primär in der “verpassten” ersten Welle. Dies galt indes auch für Tschechien, das inzwischen aber nach Russland, Bulgarien und Spanien eine der höchsten Übersterblichkeiten Europas aufweist.

Auch in Deutschland drängt die Politik nun auf die Impfung. Vielleicht lässt sich damit eine Frühjahrswelle noch etwas dämpfen. Doch die Wirksamkeit bei Personen über 80, sowie gegen die Varianten aus Südafrika und Brasilien, ist deutlich reduziert. Die vereinzelt schweren und tödlichen Nebenwirkungen, selbst bei jüngeren Personen mit geringem Covid-Risiko, sind nicht trivial.

Die ARD machte zuletzt erneut auf das Thema der oftmals kontraproduktiven Intubationen von Covid-Patienten aufmerksam, das SPR bereits im April 2020 mehrfach ansprach. Das Thema der Frühbehandlung und Prophylaxe bei Risikogruppen ist indes auch in Deutschland, trotz positiver Studienlage und sofortiger Verfügbarkeit, weiterhin ein – merkwürdiges – Tabu.

Grafiken

1) Antikörper-Seroprävalenzen im Dezember 2020

Corona Antikörper-Seroprävalenz, pro Land, im Dezember 2020 (Bloomberg)

2) Corona-Mortalität in Bundesländern und Landkreisen (22. März 2021)

Corona-Mortalität in Bundesländern und Landkreisen zum 22. März 2021 (Tagesspiegel)

3) Corona-Mortalität in Schweden und Deutschland

Man beachte die Synchronizität in der zweiten Welle.

Corona-Mortalität: Schweden vs. Deutschland (OWD)

4) Corona-Todesfälle pro Altersgruppe

Corona-Todesfälle pro Altersgruppe in Deutschland (T-Online)

5) Corona vs. Grippe-Pandemien in den USA

Pneumonia and influenza mortality by age in previous pandemic years (Glezen, 1996) vs. 2020 excess mortality by age, primarily driven by covid-19, overall and excluding nursing homes (SPR based on CDC data)

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