Corona in Zürich

Publiziert: 13. August 2020; Aktualisiert: 20. September 2020
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Das Universitätsspital Zürich (USZ) hat Anfang August die Resultate seiner umfangreichen Antikörperstudie veröffentlicht. Untersucht wurden seit März circa 9000 gesunde Blutspender und circa 25,000 Patienten aller Abteilungen des Universitätsspitals (Uniklinik).

In beiden Gruppen erreichten die Antikörperwerte (IgG und IgA im Blut) bereits im April ihren Höchstwert von nur 1.6%. Dieser tiefe Wert war aufgrund des Schweizer Lockdowns zu erwarten. Bisher hat jedoch offenbar kein Schweizer Medium darüber berichtet.

Die wirkliche Verbreitung des Coronavirus dürfte zwar aufgrund von milden Fällen ohne IgG-Antikörper etwas höher sein – in Stockholm hatten etwa doppelt soviele Blutspender T-Zellen wie Antikörper gegen das neue Coronavirus – doch mehr als 5% werden es kaum sein.

(Im Tessin und in Genf lagen die Antikörperwerte bis Juni bei circa 10% bis 15%.)

Dieser sehr tiefe Antikörperwert bedeutet, dass die Bevölkerung größtenteils weiterhin anfällig für das neue Coronavirus ist und zumindest die deutsche Schweiz einem potentiell sehr anspruchsvollen Herbst und Winter entgegensieht, was eine optimale medizinische Vorbereitung erfordert.

Während Schweden den vergleichsweise ruhigen Frühling für den kontrollierten Aufbau einer Immunität in der Bevölkerung nutzen konnte, wird die Schweiz ab Herbst mit der gleichzeitigen Verbreitung von Influenzaviren, Erkältungsviren und dem neuen Coronavirus konfrontiert sein.

Die Nutzung von Stoffmasken wird diese Verbreitung kaum aufhalten können, wie z.B. Hawaii, Kalifornien, Argentinien, Spanien und Japan mit steigenden Infektionszahlen trotz Masken zeigen, zumal Stoffmasken virenhaltige Aerosole in Innenräumen nicht herausfiltern können.

Im Kanton Zürich mit rund 1.5 Millionen Einwohnern kam es bis Ende Juni zu circa 130 Corona-Todesfällen. Das USZ schätzt anhand der Antikörperwerte eine Corona-Letalität (IFR) von ca. 0.6%.

Aufgrund der milden Fälle ohne IgG-Antikörper und aufgrund der Tatsache, dass sich auch in Zürich rund die Hälfte der Corona-Todesfälle in Pflegeheimen ereignete, dürfte der IFR-Wert für die Allgemeinbevölkerung indes wie in Genf bei deutlich unter 0.3% liegen.

Unter 50 Jahren starben in der gesamten Schweiz bisher zehn Personen an oder mit Corona. Dennoch kann sich das neue Coronavirus auch bei jüngeren Menschen auf die Lunge, den Herzmuskel und die allgemeine Gesundheit auswirken und ist deshalb sehr ernst zu nehmen.

SPR empfiehlt Personen mit erhöhtem Risiko, spätestens bei Auftreten der ersten Covid-Symptome den Hausarzt zu konsultieren und eine Frühbehandlung zu besprechen. Je früher die Viren­replikation gehemmt werden kann, desto besser sind die Chancen auf einen milden Verlauf.

Das Universitätsspital Zürich stellte zudem fest, dass das neue Coronavirus bereits im April fünf- bis zehnmal weiter verbreitet war als durch die täglichen PCR-Tests sichtbar wurde, was einmal mehr die Schwierigkeit einer umfassenden “Testing und Tracing” Strategie verdeutlicht.

Die verantwortungsvollen Forscher des Universitätsspitals Zürich beenden ihre Studie auf Seite 16 mit der folgenden Aussage, die SPR seinen Lesern nicht vorenthalten möchte:

“Die Serologie ist ein mächtiges medizinisches und epidemiologisches Instrument, aber sie kann auch zur Stratifizierung der Arbeitskräfte, zur Diskriminierung der nicht-immunen Personen und sogar für noch weit schlimmere Taten missbraucht werden. Lassen sie uns die Immunreaktionen untersuchen, aber lassen sie uns nicht eine dystopische Gesellschaft schaffen, die auf ihnen basiert.”

1) Kanton Zürich: Hospitalisierte, beatmete, und verstorbene Patienten

2) Schweiz: Kumulierte Todesfälle vs. Erwartungswert

Schweiz: Kumulierte Übersterblichkeit, 2010-2020 (Stotz/BFS/BAG)

In der Schweiz lag die kumulierte Jahres­über­sterb­lichkeit bis Woche 35 wieder nahe bei null und damit unter den meisten saisonalen Grippewellen der letzten zehn Jahre (siehe Grafik oben). Die Hauptgründe dafür sind der milde Winter, der milde Sommer, die frühen Maßnahmen und das sehr hohe Medianalter der Corona-Todesfälle (84 Jahre, ca. 50% in Pflegeheimen).


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