Der Jemenkrieg und die Medien

Worum ging es beim Jemenkrieg, und wie lässt sich die Medienberichterstattung darüber erklären?

Die Gründe für den Jemenkrieg erscheinen rätselhaft. Analysten diskutierten etwa maritime Routen, religiöse Spannungen, die Iran-Frage oder vermutete Erdölvorkommen.

All dies sind relevante Aspekte, doch in der Gesamtsicht dürfte es sich auch beim Jemenkrieg – wie schon in Syrien und Libyen – um einen imperialen Krieg gehandelt haben (Szenario E).

Kein Geringerer als der damalige stellvertretende Nationale Sicherheitsberater und spätere CIA-Direktor John O. Brennan erklärte 2012 in einem einstündigen Vortrag vor dem amerikanischen Council on Foreign Relations, wie die USA den Jemen in mehrjähriger Arbeit zu einem verbündeten Klientelstaat aufgebaut haben, und warum dies von »anhaltender strategischer Bedeutung« ist.

Der militärische Erfolg der Houthi-Bewegung machte diese Arbeit schon 2015 zunichte, und darauf mussten die USA als Hegemonialmacht reagieren. Sie entsandten jedoch keine eigenen Truppen, sondern ließen das saudische Klientelregime und seine Partner die Angriffe fliegen.

Es handelte sich beim Jemenkrieg aus geostrategischer Sicht deshalb nicht – wie oftmals dargestellt – um einen »saudischen Krieg«, sondern um einen genuin amerikanischen.

Dies erklärt zugleich, weshalb westliche Medien über den Jemenkrieg kaum be­rich­teten – oder nur verzerrt, etwa indem – nach US-Vorgabe – eine angebliche Einmischung Irans behauptet wurde.

Erst als der Fall der letzten Hafenstadt Hodeida bevorstand – womit die Houthis faktisch besiegt wa­ren – reagierten westliche Medien und berichteten prominent über ein verhungerndes Mädchen.

Dabei ging es jedoch nicht um plötzliches Mitgefühl, sondern um Kriegskalkül: Durch die Me­dien­kam­pagne wur­de der Druck auf die Direktbeteiligten erhöht und den USA ermöglicht, die Kontrolle über die anstehenden Verhandlungen zu behalten – und dabei sogar barmherzig zu erscheinen.

Natürlich wurde mit dem Jemenkrieg auch viel Geld verdient, und natürlich verfolgten Akteure wie etwa die Emiratis auch eigene Ziele, doch aus imperialer Perspektive sind diese nachrangig.

Was Saudi-Arabien selbst angeht, so ist zudem Szenario A der Logik imperialer Kriege von Bedeutung: Ein Klientelregime, das nicht konform agiert, wird nach Möglichkeit ersetzt.


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Publiziert: November 2018

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