Die Republik und das Imperium

Das Online-Magazin Republik startete 2018 mit dem erfolgreichsten Medien-Crowdfunding aller Zeiten. »Journalismus ist ein Kind der Aufklärung. Seine Aufgabe ist die Kritik der Macht.«, prokla­mierte das Manifest verheißungsvoll. Doch wie sieht es damit in der Realität aus?

Zum Schicksal des US-kritischen Aufklärers Julian Assange sieht die Republik »keinen Anlass für eine Geschichte«, denn es gebe »nichts Neues oder Relevantes« beizutragen. (*)

Auch zum Syrienkrieg finden sich in der Republik keine Hintergründe, stattdessen die im amerikanischen TV gezeigte Story eines Rebellen­führers, der einen verirrten Geier rettet.

Über das »moderne Saudi-Arabien« schreibt der Vertreter einer Denkfabrik der deutschen Bundesregierung, die dorthin gerne mal Waffen verkauft.

Eine linke Bewegung, die Migration als im Konzerninteresse kritisiert? »Der neue Chauvinismus«.

Russland? Doping, Oppositionelle, Putin-Versteher, Bloß raus!, und Doping.

Wer den umtriebigen US-Milliardär George Soros hinterfragt, bei dem dürfte es sich um einen »rechten Verschwörungstheoretiker« und/oder »Antisemiten« handeln.

Gelobt werden die »hervorragenden amerikanischen Qualitätsmedien«, gewarnt wird vor der unbeaufsichtigten »Youtube-Hölle«, der nur mittels algorithmischer Zensur beizukommen sei.

Der Journalismus der Republik: Ein Kind der Aufklärung?

Oder eines, das nicht aus dem etablierten Mediensystem verstoßen werden möchte?

(*) Nachtrag: Im Februar 2020, zehn Monate nach der Verhaftung von Julian Assange und nach mehreren anderen Medien, führte die Republik erstmals ein Interview mit einem UNO-Vertreter.

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Publiziert: November 2018

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