Das gewünschte Narrativ II

Im Dezember 2015 publi­zierte das News­portal Watson (AZ Medien) einen Artikel des lang­jährigen Tages­schau-Kor­res­pon­denten Hel­mut Sche­­ben zum Syrien­krieg. Scheben stellte den Krieg in einen geo­po­li­tischen Kontext und kri­ti­sierte die westliche Be­richt­er­stattung als einseitig und ma­ni­pu­la­tiv.

Der Artikel un­ter­schied sich deutlich von anderen Aus­lands­bei­trägen auf Watson, die meist vom deutschen Content Partner Spiegel Online geliefert werden.

Keine zwei Tage später veröffentlichte Watson jedoch einen aufgebrachten Rückruf, in dem sich das Portal vom Artikel distanzierte und Helmut Scheben wüst beschimpfte: Man sei auf einen „Putin-Troll“ herein­ge­fallen, der wo­möglich in der „russischen Propaganda-Maschinerie“ mit­wirke. Auch Leser, die sich positiv zum ur­sprüng­lichen Artikel geäußert hatten, wurden als »Trolle« verun­glimpft.

Wer oder was hat wohl hinter den Kulissen zu dieser selt­samen Reak­tion geführt? Jeden­falls wurde den hiesigen Journa­listen damit einmal mehr in Er­in­nerung gerufen: Wer sich in der Schweiz nicht an das ge­wünschte Nar­ra­tiv hält, ris­kiert Ruf und Karriere.


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