Ursprung des Covid-19-Virus: Die Mojiang-Minenarbeiter-Hypothese

Publiziert: 16. Juli 2020; Aktualisiert: 2. August 2020
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Der Virologe Jonathan Latham und die Genetikerin Allison Wilson haben eine neue Hypothese für den Ursprung des SARS-CoV-2-Virus und der Covid-19-Pandemie vorgeschlagen.

Seit Februar ist bekannt, dass ein Fledermausvirus namens RaTG13, das 2013 vom Wuhan Institute of Virology (WIV) gefunden wurde, der engste bekannte Verwandte von SARS-CoV-2 ist.

Seit Mai ist (für einige) bekannt, dass RaTG13, das zuvor BtCoV/4991 genannt wurde, 2013 in Fledermauskot in einem Minenschacht in der Nähe von Mojiang im Südwesten Chinas gefunden wurde, nachdem sechs Bergleute an einer Covid19-ähnlichen Lungenentzündung erkrankten und drei von ihnen schließlich daran starben.

Die WIV selbst hat diesen Zusammenhang jedoch nicht offengelegt. Die berühmte WIV-Fledermaus-Forscherin Shi Zhengli behauptete in einem Interview im März 2020 sogar irre­füh­render­weise, die Krankheit der Bergleute sei “durch einen Pilz” ausgelöst worden.

Es ist auch bekannt, dass RaTG13 trotz seiner 96%igen Ähnlichkeit nicht der direkte Vorfahre von SARS-CoV-2 sein kann, da natürliche Mutationen in der Umwelt mindestens mehrere Jahrzehnte gebraucht hätten. Es wurde aber rechnerisch nachgewiesen, dass RaTG13 bereits zu einem gewissen Grad menschliche Lungenzellen infizieren kann.

Es ist zudem bekannt, dass die erkrankten Bergleute aus Mojiang, die eine schwere Covid19-ähnliche Lungenentzündung aufwiesen, bis zu vier Monate lang im Krankenhaus behandelt wurden, bevor sie 2012 entweder entlassen wurden oder starben.

Latham und Wilson schlagen nun vor, dass die Bergleute von Mojiang während ihres bis zu zweiwöchigen Aufenthalts im Minenschacht, in dem sie Aerosole aus Fledermauskot einatmeten, ursprünglich mit RaTG13 und/oder ähnlichen Coronaviren infiziert wurden. RaTG13 entwickelte sich dann durch Mutationen und/oder Rekombinationen in den Lungen der Bergleute während ihres bis zu viermonatigen Krankenhausaufenthaltes zu SARS-CoV-2.

Somit könnten die infizierten Lungen der Bergleute als “menschlicher Inkubator” gedient haben, der es RaTG13 ermöglichte, sich sowohl an den menschlichen ACE2-Zellrezeptor als auch an das menschliche Immunsystem in nur vier Monaten statt in mehreren Jahrzehnten anzupassen, wie dies in einer natürlichen (tierischen) Umgebung zu erwarten gewesen wäre.

Das Wuhan-Institut für Virologie erhielt 2012/2013 Gewebe- und Blutproben von den überlebenden oder toten Bergleuten, die möglicherweise bereits das, was heute als SARS-CoV-2 bekannt ist, enthalten haben. Die WIV-Virologen haben dann möglicherweise weitere fünf Jahre bis zur Fertigstellung ihres BSL-4-(Hochsicherheits-)Labors im Jahr 2018 gewartet, bevor sie mit der Forschung über das heute als SARS-CoV-2 bekannte Virus begannen.

SARS-CoV-2 könnte dann, wahrscheinlich im Herbst 2019, aus dem BSL-4-Labor des WIV entwichen sein, vielleicht durch einen infizierten Laboranten, wodurch eine inzwischen weltweite Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurde.

Dies ist, kurz gesagt, die Latham-Wilson Mojiang Miners Passage (MMP) Hypothese. Sie kann die meisten oder alle der ungewöhnlichen Eigenschaften von SARS-CoV-2 erklären, einschließlich seiner sehr starken Bindung an menschliche ACE2-Zellrezeptoren und seiner sehr niedrigen Mutationsrate, sogar ohne dass man von einer Funktionsforschung (d.h. Genmanipulationen) ausgehen muss – obschon die Hypothese das auch nicht ausschließt.

Interessanterweise zeigen Archiveinträge, dass der Ursprung von RaTG13 in einer chinesischen Datenbank im Juli 2020 ohne Anmerkung von “Lungenflüßigkeit” (der Minenarbeiter) auf “Fledermauskot” geändert wurde. Zudem wurde vom WIV behauptet, die RaTG13-Probe habe sich bei Analysen Anfang 2020 “desintegriert” und sei nicht mehr verfügbar (und überprüfbar).

Lesen Sie den vollständigen Artikel von Latham and Wilson:

A Proposed Origin for SARS-CoV-2 and the COVID-19 Pandemic (ISN, July 15, 2020)

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