»Basler Tierkreis«: Medienberichte 1998

Eine Übersicht zu Medienberichten über den »Basler Tierkreis« vom Juli/August 1998. Danach folgten keine weiteren Berichte zu diesem bis heute weitgehend unaufgeklärten Komplex.

Zum Hauptartikel: Geopolitik und Pädokriminalität

Basel: Grauenvolle Sexspiele

FACTS, 9. Juli 1998, Seiten 33/34, Simon Hubacher

Basler Tierkreis
Basler Tierkreis: FACTS vom 9. Juli 1998 (ZVG)

 

Der Männerring mit dem Decknamen Tierkreis hätte schon viel früher ausgehoben werden können.

Das zweistöckige Reihenhaus in der Nähe des Basler Schützenmattparks leuchtet in grüner Farbe. Ein ungewöhnlicher Anstrich, der sich in dem beschaulichen Quartier von den übrigen Fassaden abhebt. Ungewöhnlich ist auch das kleine Klebebild, das die Eingangstüre ziert. Es zeigt ein Krokodil. Nachbarn erinnern sich daran, dass in dem Haus die Rollläden oft schon am frühen Nachmittag heruntergelassen wurden. Als bedrohlich empfand das aber niemand. Der nächste Polizeiposten ist nur ein paar Meter entfernt.

Da hatten die Beamten am vergangenen Montag nicht weit. Um 17 Uhr tauchten Ermittler des Basler Kriminalkommissariats mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss vor dem Gebäude auf. Zuvor war die Liegenschaft beobachtet worden. Es waren nicht zuletzt die grüne Farbe und der Krokodil-Kleber, welche die Polizisten dazu bewogen, in die ominöse Liegenschaft einzudringen.

Besitzer ist der 64-jährige Basler Geschäftsmann R. F., von Freunden «Kroko» genannt. Er wird verdächtigt, in dem Haus seit Anfang der achtziger Jahre unter dem Decknamen Tierkreis einen geheimen Männerring geführt zu haben, dessen Mitglieder sich mit Tiernamen tarnen. Sie sollen Strichjungen aus dem Basler Schwulenmilieu sowie minderjährige Knaben zu widerlichen, von Gewaltpraktiken und Drogenmissbrauch geprägten Sex-Partys gezwungen haben.

Die Beamten stellten im grünen Haus nach eigenen Angaben «umfangreiches Beweismaterial» sicher, darunter zahlreiche Videobänder, 98 ältere Super-8-Filme sowie kistenweise private Fotos von nackten Männern und Jugendlichen. Sie stiessen zudem auf Namenslisten möglicher Mitglieder des Sexringes. Zum Tierkreis gehören nach den ersten Erkenntnissen ausschliesslich Männer, vorwiegend Akademiker, Geschäftsleute, Ärzte und Wirte – allesamt aus den besseren Kreisen Basels.

Den Behörden waren schon vor der Hausdurchsuchung die Identitäten von einem halben Dutzend Tierkreis-Mitgliedern bekannt, darunter zwei Mediziner: ein Universitätsdozent, Tarnname Elefant, sowie ein Arzt namens Eisbär mit eigener Praxis.

Dass die Beamten überhaupt fündig wurden, ist spektakulär. Lange Zeit schenkten sie den Aussagen ihres einzigen Zeugen keinen Glauben. Der frühere Drogenabhängige und Strichjunge Lucky verbrachte nach eigenen Angaben zu Beginn der neunziger Jahre zwei Jahre in den Fängen des Männerringes. Vergangenen April schilderte er der Basler Staatsanwältin Judie Melzl während einer vierstündigen Einvernahme ausführlich, welche Gräueltaten sich in den Räumen des grünen Hauses abgespielt hatten.

Entstanden war ein Protokoll des Unfassbaren. Lucky war als 22-Jähriger erstmals an R. F. geraten und von ihm in den Ring eingeführt worden. Er avancierte rasch zum Lieblingsknaben der Partybesucher. Jeden Mittwoch ging es los. «Um 15 Uhr trank Krokodil einen Appenzeller, dann drehte er den ersten Joint und wartete auf Gäste», erinnert sich Lucky. Im Keller des grünen Hauses befindet sich ein Weinkeller, daneben eine Bar und eine kleine Disco. An der Wand eine grosse Leinwand, in der Nähe die üppige Filmsammlung – verbotene Videos mit Kindersex, sadistischen und sodomistischen Quälereien. Auch solche mit echten Todesszenen sollen darunter gewesen sein. An der Wand hatte das Krokodil in einem Bilderrahmen eine polizeiliche Vorladung hängen, wegen des Verdachts auf Misshandlungen. «Kroko lachte, wenn er das Schreiben sah», sagt Lucky, «man habe ihm nie etwas nachweisen können.»

Das Krokodil zeigte Lucky ein Buch, voll mit Fotos junger Männer, jeweils drei Aufnahmen: Gesicht, Gesäss und Penis. Wie ein Sklave musste Lucky härtesten, schmerzhaften Männersex ertragen. Gegen Bares, um seine Drogensucht zu stillen. Lucky trank Urin und malträtierte Brustwarzen. Als Stammgäste Lucky mit Zigaretten verstümmelten und ihm ein K – wie Krokodil – auf den Rücken brennen wollten, stieg er aus.

Laut Aussagen von Lucky und seinem Vormund haben die Behörden bereits vor zwei Jahren erste Hinweise auf einen Missbrauch von Minderjährigen und Abhängigen im organisierten Stil erhalten. Anzeichen existierten – nur wurde ihnen lange kein Glauben geschenkt. Wohl aus Angst vor einem grossen Skandal. Auch nach Luckys Aussage vom April dieses Jahres blieb die Staatsanwaltschaft zunächst untätig. Bis zur Hausdurchsuchung vergingen zehn Wochen.

Dass doch noch Funde im grünen Haus gemacht wurden, lässt auch einen anderen Schluss zu: dass die Aktivitäten des Tierkreises zwar seit einiger Zeit eingestellt waren, sich die Mitglieder aber in Sicherheit wiegten und es nicht für nötig befanden, Beweismaterial wegzuschaffen.

Einer, der vom obskuren Sexring zumindest ansatzweise seit längerer Zeit wusste, ist der Basler Kantonsarzt Hanspeter Rohr. Er hatte Ende 1996 während eines anderen Verfahrens von obskuren geheimen Treffen erfahren. Doch Rohr war überzeugt, dass es sich ausschliesslich um Treffen unter homosexuellen Erwachsenen handelte. Auch dass Rohr den Namen einer der beiden involvierten Ärzte kannte, blieb ohne Folgen. Er vertraute darauf, dass die Staatsanwaltschaft ebenso Kenntnis von den Vorwürfen erhielt. Davon will Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, nichts wissen: «Es gab keine solchen Informationen.» Inzwischen ist Kantonsarzt Rohr zur Überzeugung gelangt, dass die damaligen Ermittlungen voreilig eingestellt wurden.

Bei der begonnenen Spurensuche gegen den Tierkreis werden die Behörden wohl weite Kreise ziehen müssen. Mitglieder des Sexklubs sollen sich regelmässig im spanischen Ferienhaus des «Eisbären» getroffen haben. «Krokodil» habe breite internationale Kontakte zu sadistisch veranlagten Männern gepflegt. Vorerst Spekulation bleiben Hinweise, wonach Verbindungen zum belgischen Kinderschänder Marc Dutroux bestanden. Kenntnis haben die Untersuchungsbehörden auch von einer Reise nach Thailand erhalten. Dort wollten sich die Tiere den ultimativen Kick verschaffen: zusehen, wie ein Mann vor Publikum zu Tode gefoltert wird.


Der Chef nennt sich Krokodil: Krimineller Pädophilenring „Tierkreis“ in Basel mit vielen Kindern und Jugendlichen als Opfern

Sonntagsblick, 5. Juli 1998, Seite A-2

Basel – Das „Sumpfhuhn“ singt – und bringt angesehene Basler Bürger um den Schlaf: Ärzte, Chemiker und Manager betreiben am Rheinknie einen perversen „Tierkreis“. Die Opfer für ihre Sado-Maso-Spiele besorgen sich die hohen Tiere auf dem Babystrich!

„Lucky“ war gerade 14 und hing an der Nadel. Das Geld für sein Heroin beschaffte sich der Jung-Junkie als Stricher – in den einschlägigen Parks und Bars der Rheinstadt.

„Eines Abends bat man mich im Restaurant ‚Dupf‘ an einen Tisch. Das ‚Krokodil‘ wolle mich sprechen, hiess es“, erinnert sich Lukas Frey, heute 29, an die Nacht, in der alles anfing.

„Frisches Fleisch für den Tierkreis“

Das Krokodil, das sich für Lucky interessierte, war der Prokurist R.F. Dieser stammt aus einer angesehenen Basler Fabrikantenfamilie und lebt heute vom Ertrag seiner Immobilien.

Das Krokodil und der blutjunge Stricher waren sich schnell handelseinig. „Ich brauche Geld für die Drogen – und er frisches Fleisch für seinen Tierkreis“, sagt Lucky.

Der Prokurist Kroko betreibe seit Anfang der 80er Jahre einen geheimen Sexring, getarnt als Tierkreis. Der Staatsanwältin Judie Melzl nannte er auch die Namen von angesehenen Baslern, die dem perversen Kreis angehören:

– Der „Elefant“ im Tierkreis ist der Arzt und Privatdozent Dr. Y.Z. Er sollte einmal für Lucky 10.000 Franken bezahlen, weigerte sich aber im letzten Moment.
– Als „Eisbär“ gehört der Pharmakologe U.J. zum Sexring.
– Der „Weisse Affe“ ist ein bekannter Friseur, der aus Basel stammt und heute in Frankreich arbeitet.
– Der Wirt X.Y. nennt sich „Wieseli“.
– Als „Adler“ fungiert der Geschäftsmann P.L.

„Ich musste jeden Dienstag zu Kroko“, berichtet Lucky dem SonntagsBlick. „Im Keller liefen wüste Partys – mit viel Alkohol und schmerzhaften Sado-Maso-Spielen. Kroko, Eisbär, Wieseli und Co. geilten sich an Kinderpornos auf – und liessen sich von mir und den andern Buben befriedigen. Regelmässig reiste der Tierkreis nach Thailand und auf die Philippinen. In Fernost seien die Buben halt billiger, erklärten sie.“

Lucky avancierte schnell zum Lieblings-Stricher von Kroko. Der Tierkreis ehrte ihn mit einem Pokal für „das süsseste Schleckmaul“. Schliesslich belohnte Kroko den Strichjungen mit der Aufnahme in den Tierkreis – Lucky erhielt den Namen „Ralle“, den Namen eines Sumpfhuhns.

Das perverse Archiv des Krokodils

Lucky: „Kroko führt auch einen Katalog mit Fotos des Hintern und der Genitalien jedes Buben. Jeder Stricher musste eine getragene Unterhose in sein ‚Archiv‘ abgeben.“

Die Quälereien, der Whisky und die Drogen forderten ihren Tribut. Völlig am Ende wandte sich Lucky an den Arzt Dr. K. – mit Hilfe von Methadon wollte er vom Heroin wegkommen. Dr. K. gehört zwar nicht zum Tierkreis, trotzdem kam es auch bei ihm zu Sex. „Ich musste den Arzt oral befriedigen, damit ich mein Methadon bekam“, behauptete Lucky.

Immerhin: Mit Hilfe von Methadon schaffte Lucky den Ausstieg aus den Drogen, ein Sozialarbeiter verhilft ihm zu einer IV-Rente. Jetzt wagte er auch den Absprung aus dem Tierkreis: „Die Praktiken wurden immer brutaler – und ohne die Drogen spürte ich die Schmerzen doppelt und dreifach“, erklärt Lucky.

Endgültig genug vom Tierkreis aber hatte Lucky, als die Herren wieder einmal eine Reise planten: „Sie wollten nach Thailand, um dort zuzusehen, wie Pädophile ein Kind zu Tode quälten“, sagt Lucky.

SonntagsBlick konfrontierte auch Prokurist R.F. mit den Vorwürfen. Doch das Krokodil verweigerte das Gespräch: „Lucky ist ein Trudi Gerster, eine Märlitante“, erklärte er.

Doch wird das Krokodil wohl demnächst trotzdem Stellung nehmen müssen. Die Aussagen, die Lucky gegenüber SonntagsBlick gemacht hat, deponierte er auch bei der Basler Justiz.

„Wir ermitteln seit dem 21. April [1998]. Zurzeit machen wir eine Auslegeordnung. Wenn sich der Verdacht erhärtet, schlagen wir auch zu“, erklärt Kriminalkommissär Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft.


Perverse Sexpartys mit Buben – bis heute geduldet

Blick, 6. Juli 1998, Seite 2, Beat Alder

BASEL – Angesehene Biedermänner trafen sich im Geheimzirkel „Tierkreis“ zu perversen Sexpartys. Bis ein Opfer im SonntagsBlick auspackte. Jetzt kam aus: Die Basler Strafverfolger sahen dem Treiben des Zirkels seit langem zu. Ohne einzuschreiten!

Bislang interessierten sich die Basler Strafverfolger nicht für den Sexzirkel. Dabei besassen die Behörden seit fast zwei Jahren Informationen über den Tierkreis.

„Wir ermitteln jetzt mit aller Härte“, sagte Staatsanwältin Judie Melzl vor zwei Wochen gegenüber BLICK. Und fuhr in die Ferien!

Weshalb die Behörden den Fall nicht längst mit allem Nachdruck verfolgten, konnte sie nicht erklären.

Die Mitglieder des Tierkreises sind angesehene Bürger: Ärzte, Chemiker, Pharmakologen, Anwälte und Geschäftsleute. Allen gemein ist die Vorliebe für perversen Sex mit Knaben.

An der Spitze des Tierkreises steht das „Krokodil“, ein über 60-jähriger Geschäftsmann. Sein dreistöckiges Reihenhaus an bester Wohnlage in Basel-West diente dem Geheimzirkel jahrelang als Anlaufstelle.

„Elefant“ ist ein renommierter Spezialarzt, „Eisbär“ ist Pharmakologe. Ein Baselbieter Wirt war als „Wieseli“ bekannt. Ein Geschäftsmann nannte sich „Adler“, ein Prominenten-Coiffeur nahm als „Weisser Affe“ an den Partys teil.

Eines ihrer Opfer: Lukas „Lucky“ Frey, heute 29. Er kennt den Tierkreis aus leidvoller Erfahrung. Als 14-Jähriger geriet Lucky in die Fänge von „Kroko“.

„Ich war jeden Dienstag dran“, sagte der Methadon-abhängige Ex-Junkie dem SonntagsBlick. Auch die anderen Opfer der „Tiere“ waren gefangen zwischen Drogensucht und Sklaverei: Die „Tiere“ bezahlten gut.

Lucky wollte aussteigen. Er wandte sich an den Kinderarzt Dr. K. Von ihm erhielt er Methadon. Und musste mit Sex bezahlen. Dr. K. wusste alles über die „Tiere“. Lucky: „Er war richtig scharf darauf, sich von mir die Details erzählen zu lassen.“

Die Basler Staatsanwaltschaft sah keinen Grund, den renommierten Arzt und damaligen Präsidenten der Kinderspitalkommission anzuklagen: Das Verfahren wurde eingestellt!

Jetzt wird es neu aufgerollt.


Der „Tierkreis“ war ein Sexzirkel

Tages-Anzeiger, 8. Juli 1998, Seite 14, Thomas Renold

Basel. – In Basel ist eine Organisation unter dem Decknamen „Tierkreis“ wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen ausgehoben worden. Auf die Spur des „Tierkreises“ führten die Ermittlungen gegen einen 70jährigen Arzt. Ein ehemaliger Patient habe den Arzt wegen sexueller Übergriffe angezeigt, teilte am Dienstag die Staatsanwaltschaft in Basel mit. Bereits vor zwei Jahren wurde gegen den Arzt er­mit­telt. Weil sich damals die Vorwürfe nicht erhärten liessen, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Geleitet wurde der „Tierkreis“ von einem 64jährigen Mann mit dem Übernamen „Krokodil“. Bei einer Hausdurchsuchung seien Bilder von nackten Männern, pornographisches Material und Namenslisten gefunden worden, sagte Kriminalkommissär Markus Melzl. Die Mitglieder des Sexzirkels würden alle aus der Region Basel stammen. Ob sie bei ihren Treffs strafbare sexuelle Praktiken oder sexuelle Handlungen mit Minderjährigen durchführten, müsse die Untersuchung zeigen.

Laut Aussagen des Patienten, der wegen seiner Heroinsucht in ärztlicher Behandlung stand, gehören dem „Tierkreis“ prominente Männer an. Buben und Drogenabhängige seien von ihnen während Jahrzehnten missbraucht worden.


„Tierkreis“: Porno-Material entdeckt

Basler Zeitung, 8. Juli 1998, Seite 27, Valentin Kressler

Bei den Untersuchungen gegen die Organisation „Tierkreis“ ist die Staatsanwaltschaft fündig geworden: Am Montag Abend hat sie bei einer Hausdurchsuchung eine grosse Menge an pornographischem Material entdeckt. Ob sich darunter auch strafrechtlich verbotene Sachen befinden, wird derzeit noch abgeklärt.

„Basler Sex-Ring aufgeflogen! – Ärzte und Manager missbrauchten Kinder“, titelte der „SonntagsBlick“ am vergangenen Wochenende und brachte damit eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen eine Organisation namens „Tierkreis“ an die Öffentlichkeit. Deren „prominente“ Basler Mitglieder sollen angeblich sexuelle Praktiken und Handlungen ausüben, die verboten sind, wie auch Markus Melzl, der Chef Medien und Information bei der Staatsanwaltschaft, bestätigt hat (vgl. BaZ vom 6. Juli).

Eine Fülle von Material

Gestern Dienstag ist nun die Basler Staatsanwaltschaft aus eigener Initiative an die Öffentlichkeit gelangt: In einem Communiqué teilte die Untersuchungsbehörde mit, dass sie am Montag Abend bei einem als Mitglied des „Tierkreises“ bezeichneten 64jährigen Mann eine Hausdurchsuchung vorgenommen und dabei eine grosse Menge an pornographischem Material und umfangreiche Unterlagen im Zusammenhang mit der Organisation „Tierkreis“ sichergestellt hat. Man habe dabei eine „Fülle von Material“ gefunden, präzisierte Melzl im Gespräch mit der BaZ. Einerseits handelt es sich um eine umfangreiche Sammlung von Filmen und Fotos, darunter befinden sich alleine schon 98 Rollen Super-8-Filme, andererseits um Namen und Daten von Mitgliedern der Organisation.

„Auf den ersten Blick enthält das Material der Hausdurchsuchungen aber nur Bilder von nackten jungen Männern und nicht von Minderjährigen“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. In den nächsten Tagen gelte es jetzt zuerst einmal abzuklären, ob es sich bei den sichergestellten Gegenständen um legale Pornographie handle, oder ob sich auch strafrechtlich verbotene Sachen darunter befinden würden. Im Mittelpunkt der Ermittlungen der Gruppe für Sexualdelikte des Kriminalkommissariats stehen die Straftatbestände der sexuellen Handlungen mit Kindern, der sexuellen Nötigung sowie der verbotenen Pornographie. Wie schon in der BaZ vom Montag betonte Melzl, dass die Untersuchungsbehörden erst seit kurzem Kenntnis von der Organisation hätten. „Basel ist keine Millionenmetropole. Wir hätten es ziemlich sicher gewusst, wenn über Jahre hinweg sexuelle Handlungen mit Kindern begangen worden wären.“

Beim 64jährigen Mann, bei dem das Material am Montag Abend sichergestellt wurde, soll es sich nach den Angaben von Melzl um den Kopf der Organisation „Tierkreis“ und bei dessen Privatwohnung im Grossbasel um das Hauptquartier der Gruppe handeln. Der früherer Prokurist ist unter dem Decknamen „Krokodil“ bekannt und nicht „prominent“. Der Mann befindet sich derzeit auf freiem Fuss und nicht etwa in Unter­suchungs­haft, weil nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keinerlei Haftgründe vorliegen. „Er hätte das Material ja schon lange verschwinden lassen oder selbst flüchten können“, begründete Melzl das Vorgehen.

Drei weitere Mitglieder

Bei den anderen drei bis heute ermittelten Mitgliedern der Organisation „Tierkreis“ handelt es sich neben einem Apotheker und einem Arzt aus dem Kanton Basel-Stadt auch um einen Wirt aus dem Kanton Baselland. Eine allfällige Hausdurchsuchung bei diesen drei Personen werde allerdings erst dann zur Diskussion stehen, wenn bei der Sichtung des nun gefundenen Materials strafrechtlich verbotene Sachen entdeckt würden, sagte Melzl auf eine entsprechende Frage der BaZ. „Die weiteren Schritte machen wir von der Auswertung des Materials abhängig.“

Die Basler Staatsanwaltschaft ist gemäss Melzl auf die Organisation „Tierkreis“ im Rahmen der Wiedereinleitung eines vor zweieinhalb Jahren eingestellten Strafverfahrens gegen einen mittlerweile pensionierten 70jährigen Basler Arzt aufmerksam geworden. Dieser soll dem Geschädigten, einem in einem Methadonprogramm stehenden 29-jährigen Mann das Methadon angeblich erst dann ausgehändigt haben, wenn dieser ihn zuvor sexuell befriedigt hatte. Bei diesem Verfahren gibt es im übrigen zurzeit keine Neuigkeiten zu vermelden, wie Melzl erklärte.


Tierkreis jahrelang aktiv

Tages-Anzeiger, 15. Juli 1998, Seite 12

Basel. – Die in Basel wegen Sexualdelikten verdächtigte Organisation „Tierkreis“ (TA vom 8. Juli) ist offenbar bereits vor 30 Jahren aktiv gewesen.

Bei Hausdurchsuchungen in der vergangenen Woche hat die Basler Staatsanwaltschaft 98 Super-8-Filmspulen, Unmengen an Videokassetten, Heftchen und Privatphotos sichergestellt.

Ein Teil des sichergestellten Filmmaterials sei mit Sicherheit 30 bis 35 Jahre alt; allfällige strafbare Handlungen seien somit verjährt. Bei der Visionierung des Bildmaterials wurden bisher jedoch keine strafrechtlich relevanten Handlungen festgestellt.

Kauf von Porno nicht strafbar

Ebenfalls sichergestellte Aufnahmen von Kinderpornographie und Pornographie mit Tieren seien aufgrund der bisherigen Ermittlungen nur gekauft und nicht selber produziert worden, was in der Schweiz nicht strafbar ist.

Die Basler Untersuchungsbehörden haben laut Melzl eine Liste von rund 20 Mitgliedern der Organisation im Alter von heute 60 bis 70 Jahren, darunter ein Anwalt, ein Apotheker, ein Arzt und der als treibende Kraft der Gruppe geltende Prokurist. Die Vertreter der Gruppe hätten zugegeben, sich zu Sexspielen getroffen zu haben. Die Untersuchungen laufen weiter.

Unabhängig davon läuft das Verfahren gegen einen Arzt (60), der nicht zum „Tierkreis“ gehört hat. Ein 29jähriger wirft ihm vor, er habe diesen oral befriedigen müssen, um von ihm Methadon zu erhalten. (AP)


Basler Sexring: Das ist das Krokodil

Sonntagsblick, 12. Juli 1998,  Seite A10

Lucky (29) – er war gerade vierzehn, als er in die Fänge des Krokodils geriet. Dem SonntagsBlick erzählte er exklusiv, wie er vom Multimillionär missbraucht wurde. Wie ihn der Tierkreis mit der Aufnahme in den Männerring ehrte und er den Namen „Ralle“, den eines Sumpfhuhns, erhielt.

Das Krokodil – es heisst mit bürgerlichem Namen René F. (64). Und: Es ist der Boss des Tierkreises. Dem gehören angesehene Männer an; Ärzte, Chemiker, Manager, vor allem aus dem Basler Daig, aber nicht nur: Der Tierkreis ist international. Einige der 120 Mitglieder kommen aus Marokko, Thailand, Spanien, England und Deutschland. Und sie alle zittern. Denn Lucky ist kein Einzelfall. Immer mehr Opfer sprechen offen über die traumatischen Ereignisse ihrer Kindheit.

Beat* (35) kämpft mit den Tränen. Seine Stimme stockt: „Ich war damals erst elf. Ich musste Bier trinken, Hasch rauchen, Poppers sniffen, mir die widerlichsten Sex-Filme ansehen, bevor mich das Krokodil drannahm.“ Mit Malen versucht er heute, die Missbräuche zu verarbeiten. Beat: „Die Orgien dauerten manchmal zwanzig Stunden lang.“

Auch Reto* (32), ein bärenstarker Mann, redet sich jetzt die Seelenpein vom Leibe. „Mit dreizehn musste ich mir einen Film anschauen, in dem eine Rockerbande ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigte. Es lag auf einem Altar. Seither kann ich keine Kirche mehr betreten.“ Reto weint: „Das Krokodil hat mich mit zwei Kollegen vergewaltigt. Ich musste Urin trinken und wurde an den Geschlechtsteilen mit Stecknadeln traktiert.“

Das Krokodil leugnet alles

Und was sagt dazu das Krokodil? „Alles Hirngespinste. Ich habe nie mit Buben geschlafen.“

Die Basler Polizei führte diese Woche in den Räumlichkeiten des Krokodils drei Hausdurchsuchungen durch. Beschlagnahmt wurden 98 Super-8-Streifen, darunter Kinderpornos und Filme, die Sex mit Tieren beinhalten. Weiter Hunderte von Nacktfotos, die Tagebücher des Krokodils der vergangenen zwanzig Jahre und die Namensliste der Tierkreismitglieder.

Kriminalkommissar Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft: „Wir entdeckten auch eine Falltür, die mit einem Teppich und einem Stuhl zugedeckt war.“ Doch Melzl befürchtet, dass die meisten mutmasslichen Straftaten bereits verjährt sind. Dazu die Basler SP-Nationalrätin Margrith von Felten: „Die Verjährungsfristen müssen unbedingt verlängert werden. Konkret: Sie dürfen erst mit der Mündigkeit der Opfer zu laufen beginnen. Wer Kinder missbraucht, begeht Seelenmord.“

* Name der Redaktion bekannt

Die Polizei sucht weitere Opfer des Krokodils

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ruft sämtliche Opfer des Tierkreises dazu auf, sich mit ihr umgehend in Verbindung zu setzen (061-267 71 71). Kriminalkommissar Markus Melzl: „Unsere Beamtinnen und Beamten sind in der Lage, die heiklen Befragungen einfühlsam durchzuführen. Dem Opferhilfegesetz wird voll Rechnung getragen. Die Befragungen werden durch Personen gleichen Geschlechts durchgeführt. Die Opfer können zur Ein­ver­nahme eine selbstgewählte Vertrauensperson mitnehmen. Notfalls erhalten sie psychologische Betreuung.“


Viele animalische Geschichten über den Basler „Tierkreis“

Basler Zeitung, 16. Juli 1998, Seite 21, Markus Sutter

(Anmerkung: Ein relativierender und teilweise irreführender Beitrag der Basler Zeitung.)

Seit Anfang Juli berichtet die auflagenstärkste schweizer Zeitung serienmässig über ein regionales Ereignis, das aber aus strafrechtlicher Sicht noch keine Zeile wert ist: Denn bis jetzt fehlen Anhaltspunkte dafür, dass Pädophile in einem „Tierkreis-Sexclub“ ihre perversen Neigungen ausgelebt haben. Hingegen muss ein Arzt mit einer Anzeige rechnen.

Basel. msu. Unter dem schlagzeilenträchtigen Titel „Basler Sex-Ring aufgeflogen! – Ärzte und Manager missbrauchten Kinder“ sorgte der „Sonntagsblick“ zu Beginn der Sommerferien für etliche Aufregung in der traditionell nachrichtenarmen Zeit. Kronzeuge war ein 29-jähriger Mann. Nach Aussagen des Geschädigten sollen zahlreiche prominente Basler verbotene sexuelle Praktiken mit Kindern ausgeübt haben.

Zumindest eine Aussage stimmt im letzten Satz bestimmt nicht: Auf der rund 120-köpfigen Mitgliederliste, welche sich in den Händen der Staatsanwaltschaft befindet, tauche niemand auf, welcher mit der „High Society“ irgendwie in Verbindung gebracht werden könne, stellte Kriminalkommissär Markus Melzl gestern gegenüber der BaZ klar. Wer beispielsweise einen Politiker ausfindig machen wolle, suche völlig vergebens.

Fälle durcheinandergebracht

Im weiteren stört sich der Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft vor allem am Umstand, dass hier zwei Vorkommnisse, welche grundsätzlich nichts miteinander zu tun hätten, von den Medien immer wieder durcheinandergebracht würden. Einzig das Opfer spiele beide Male eine zentrale Rolle. Der erste Fall dreht sich um einen älteren Arzt, welcher mit dem 29-jährigen Kronzeugen Lucky sexuelle Kontakte pflegte und dessen Methadonabhängigkeit ausgenützt haben soll. Ein erstes Verfahren sei dann aber am 16. Januar 1996 eingestellt worden, weil der jüngere Mann von einer freiwillig gewählten Liebesbeziehung zum Arzt sprach. Doch ein Betreuer scheine diese Ausführungen nicht für bare Münze genommen zu haben, so dass in der Folge eine Neuauflage des Verfahrens eingeleitet worden sei.

Frühere Aussagen korrigiert

Lucky widerrief dabei seine früheren Aussagen und sprach neuerdings von Druckversuchen und einem Abhängigkeitsverhältnis. Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge müsse der Arzt jetzt entweder mit einer Anklage wegen sexueller Nötigung oder der Ausnützung einer Notlage rechnen, sagte Melzl. Es gebe keinen Grund, dem jungen Mann nicht zu glauben.

So viel zum ersten Fall. Der zweite Fall dreht sich um den sogenannten „Tierkreis“, worauf Lucky die Behörden im Laufe des zweiten Ermittlungsverfahrens aufmerksam gemacht hatte. Schwer wogen in diesem Zusammenhang seine Vorwürfe, dass ein sadomasochistisch veranlagter Männerring Jugendliche missbraucht und gequält haben soll. In zwei Hausdurchsuchungen wurde zwar eine Fülle von porno­gra­phi­schem Material – auch über Kinder – gefunden. Da die sichergestellte Ware aufgrund der bisherigen Ermittlungen nur gekauft und nicht selber produziert worden war, liegt laut Melzl jedoch kein strafrechtlich relevanter Tatbestand vor. Denn der blosse Besitz solcher Aufnahmen werde in der Schweiz toleriert.

Wohl überall verjährt

Strafbar seien aber sexuelle Handlungen mit Kindern unter 16 Jahren. Beweise dafür, dass irgendwelche Pädophile am Werk waren, fehlten indessen nach wie vor. Und wenn, dann dürften die meisten Vorfälle laut Melzl sowieso verjährt sein. Das ist nach spätestens zehn oder in Ausnahmefällen nach 15 Jahren der Fall (sofern sich der Täter beispielsweise vorübergehend in Haft befand). Der 29-jährige Lucky wäre also streng rechtlich gesehen kein Opfer mehr, genauso wenig wie ein 54-jähriger Mann, der sich schriftlich bei den Behörden gemeldet habe und vorgab, im Alter von 14 Jahren von „Tierkreis-Mitgliedern“ sexuell misshandelt worden zu sein.

„Wir wären aber eine schlechte Strafverfolgungsbehörde, wenn wir immer mit der Verjährung kommen würden“, machte Melzl gegenüber der BaZ klar. Geschädigte, welche bei den Befragungen eine Person ihres Vertrauens beiziehen könnten, sollten sich in jedem Fall bei den Behörden melden. Die Verfahren würden streng nach Opferhilfegesetz durchgeführt.

Nicht auszuschliessen ist allerdings generell, dass die „Tierkreis“-Story insbesondere in Zürcher Medien nicht nur hochgespielt, sondern auch in völlig verzerrter Weise dargestellt wurde. Ein Paradebeispiel dafür lieferte die Zeitung „Facts“, welcher „gerüchteweise“ zu Ohren kam, dass der „Basler Männerring Kontakte zum Kinderschänder Dutroux pflegte“ und im selben Artikel auch gleich ein Bild des verhafteten Belgiers veröffentlichte.

Keine Moralapostel

Soweit würde sich Melzl niemals auf die Äste hinauslassen. Zwar steht für den Kriminalkommissär einwandfrei fest, dass sich am Ort des Geschehens kein Literaturclub ein Stelldichein gab. Vielmehr scheint es sich um einen bevorzugten Treffpunkt für Schwule zu handeln. Die Basler Staatsanwaltschaft mache aber weder Jagd auf Schwule, noch masse sie sich das Recht an, eine Moralbehörde zu sein, betonte Melzl.

„Tierkreis-Mitglied“ meldete sich

Aus Verärgerung über die Berichterstattung in der Sonntagspresse hat sich ein „Tierkreis“-Mitglied, welches über die „Szene“ seit langem Bescheid zu wissen glaubt, direkt bei der BaZ gemeldet. Stricher seien etliche anzutreffen. Er kenne aber absolut niemanden, welcher mit Kinderpornographie etwas am Hut habe, beteuerte er. Unter den 120 Leuten figurierten zudem mehrere Frauen und Nichtschwule. Sie alle seien vom Chef der losen Verbindung spasseshalber mit einem Tiernamen ausgestattet worden.

Seine Schwester beispielsweise habe das „Krokodil“, welches in der Öffentlichkeit bereits mehrmals als Kopf der Organisation bezeichnet wurde, auf den Namen „Pferd“ getauft.

Weil findige Internet-Freaks aufgrund der veröffentlichten Initialen teilweise die Namen von „Tierkreis“-​Mitgliedern ausfindig machen konnten, fühlen sich nun einige von ihnen bedrängt und haben auch bereits mit rechtlichen Schritten gedroht. Markus Melzl wäre froh, wenn sich diese Betroffenen vorgängig mit ihm oder der Gruppe für Sexualdelikte beim Kriminalkommissariat in Verbindung setzen würden.


Neue Vorwürfe gegen Basler „Tierkreis“

Basler Zeitung, 25. Juli 1998, Seite 29, Valentin Kressler

Bei den Ermittlungen gegen den Basler „Tierkreis“ sind drei neue potentiell Geschädigte aufgetaucht. Von strafrechtlich relevanten Handlungen kann aber nach wie vor keine Rede sein.

Die Affäre um die Organisation „Tierkreis“, deren Mitgliedern sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen wird, zieht weitere Kreise: Seit dem BaZ-Artikel vom 16. Juli hat die Staatsanwaltschaft neben dem 29-jährigen „Lucky“, der die ganze Angelegenheit ins Rollen gebracht hat, nämlich von drei weiteren potentiell Geschädigten Kenntnis bekommen, wie Mediensprecher Markus Melzl auf Anfrage erklärte. Die Untersuchungsbehörde hat gestern und vorgestern die Aussagen von zwei dieser Opfer aufgenommen. Beim jetzigen Stand der Dinge, so Melzl, würden sich die von „Lucky“ erhobenen Vorwürfe bestätigen.

„Der Hauptvorwurf ist, dass es zwischen Mitgliedern des Tierkreises und den Geschädigten zu sexuellen Handlungen gekommen ist, zum Zeitpunkt, als diese noch nicht 16 Jahre alt waren“, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Womit der Artikel 187 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (Sexuelle Handlungen mit Kindern) unter Umständen erfüllt wäre. Wäre, denn die zur Diskussion stehenden Handlungen sind – wie schon bei „Lucky“ – längst verjährt. Die für solche Fälle massgebende Verjährungsfrist beträgt zehn Jahre seit der letzten Tat. Der Staatsanwaltschaft liegt also zum jetzigen Zeitpunkt keine einzige strafrechtlich relevante Handlung vor. Aus diesem Grund könne gegen die Tatverdächtigen, so hält Melzl klar fest, kein Strafverfahren eingeleitet werden, weshalb es bisher auch zu keiner Einvernahme gekommen sei.

Bei den drei neu aufgetauchten Geschädigten handelt es sich im übrigen um zwei Basler (32 und 54 Jahre alt) sowie um einen im Raum Konstanz wohnhaften älteren Deutschen. Dessen Aussage konnte noch nicht aufgenommen werden, weil er sich zurzeit ferienhalber in den USA aufhält.

Im Gespräch mit der BaZ zeigte sich Melzl denn auch unzufrieden mit der geltenden Gesetzgebung: „Die heutige Regelung der Verjährung bei den Sexualdelikten ist unbefriedigend. Eine zehnjährige Frist, die mit der Volljährigkeit der Betroffenen zu laufen beginnt, wäre sinnvoller. Das hätte zudem eine grosse prä­ven­tive Wirkung.“ Angesprochen auf die nächsten Ermittlungsschritte nennt der Mediensprecher in erster Linie die nun laufenden Zeugenbefragungen. Auch hofft er, dass sich bei der Staatsanwaltschaft weitere Personen melden, die über nicht verjährte, strafrechtlich relevante Handlungen Auskunft geben können.

Der mutmassliche Kopf des „Tierkreises“, ein früherer Prokurist mit dem Decknamen „Krokodil“, wollte gegenüber der BaZ keine Stellungnahme zu den jüngsten Vorwürfen abgeben. Der Mann wies jedoch darauf hin, dass es zu keinerlei sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gekommen sei.


Offensive gegen „Tierkreis“: Grosse Namenslisten und geplante Massenverhöre

Sonntagsblick, 9. August 1998, Seite A15

BASEL – Die Basler Polizei bläst zur Offensive gegen den Sex-„Tierkreis“: Geplant sind Massenverhöre. „Bei Hausdurchsuchungen stiessen wir auf Dutzende von Namen“, erklärt Markus Melzl von der Staats­an­walt­schaft. „Diese Personen werden wir jetzt alle kontaktieren.“ Bis anhin eruierte die Polizei vier Opfer, die bezeugen, als Kinder von Mitgliedern des „Tierkreises“ sexuell missbraucht worden zu sein. Melzl: „Die Taten sind aber alle verjährt. Wir suchen jetzt Geschädigte, deren Missbrauch weniger lang zurückliegt.“

Letzter bekannter Medienbericht zum »Tierkreis«.


Publiziert: Februar 2019

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