Der Basler Tierkreis

Publiziert: Februar 2019
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Beim 1998 aufgedeckten ¬ĽBasler Tierkreis¬ę handelte es sich um einen p√§dokriminellen Ring unter anderem aus Akademikern, Anw√§lten, √Ąrzten und Gesch√§ftsleuten aus den ¬Ľbesseren Kreisen Basels¬ę, die sich zur Tarnung Tiernamen gaben und seit circa den 1960er Jahren Strichjungen sowie minderj√§hrige Knaben an sadistischen ¬ĽSex-Partys¬ę missbrauchten.

Internationale Verbindungen nach Spanien und Thailand waren belegt, solche zum belgischen Dutroux-Netzwerk wurden vermutet. Die Hintergr√ľnde des Tierkreises wurden nie g√§nzlich aufgedeckt, Anklagen erfolgten unter anderem aufgrund von Verj√§hrung keine und der Fall verschwand nach dem Sommer 1998 vollst√§ndig aus den Medien.

Im Internet finden sich in neuerer Zeit auch Spekulationen bez√ľglich Verbindungen zur Schweizer Bundespolitik und der P-26 Geheimarmee, f√ľr die bislang jedoch keinerlei Belege vorliegen.

Es folgt eine √úbersicht zu Medienberichten √ľber den ¬ĽBasler Tierkreis¬ę vom Juli/August 1998. Danach folgten keine weiteren Berichte zu diesem bis heute weitgehend unaufgekl√§rten Komplex.

Zum Hauptartikel: Geopolitik und Pädokriminalität

1) Basel: Grauenvolle Sexspiele

FACTS, 9. Juli 1998, Seiten 33/34, Simon Hubacher

Basler Tierkreis
Basler Tierkreis: FACTS vom 9. Juli 1998 (ZVG)

 

Der M√§nnerring mit dem Decknamen Tierkreis h√§tte schon viel fr√ľher ausgehoben werden k√∂nnen.

Das zweist√∂ckige Reihenhaus in der N√§he des Basler Sch√ľtzenmattparks leuchtet in gr√ľner Farbe. Ein ungew√∂hnlicher Anstrich, der sich in dem beschaulichen Quartier von den √ľbrigen Fassaden abhebt. Ungew√∂hnlich ist auch das kleine Klebebild, das die Eingangst√ľre ziert. Es zeigt ein Krokodil. Nachbarn erinnern sich daran, dass in dem Haus die Rolll√§den oft schon am fr√ľhen Nachmittag heruntergelassen wurden. Als bedrohlich empfand das aber niemand. Der n√§chste Polizeiposten ist nur ein paar Meter entfernt.

Da hatten die Beamten am vergangenen Montag nicht weit. Um 17 Uhr tauchten Ermittler des Basler Kriminalkommissariats mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss vor dem Geb√§ude auf. Zuvor war die Liegenschaft beobachtet worden. Es waren nicht zuletzt die gr√ľne Farbe und der Krokodil-Kleber, welche die Polizisten dazu bewogen, in die omin√∂se Liegenschaft einzudringen.

Besitzer ist der 64-j√§hrige Basler Gesch√§ftsmann R. F., von Freunden ¬ęKroko¬Ľ genannt. Er wird verd√§chtigt, in dem Haus seit Anfang der achtziger Jahre unter dem Decknamen Tierkreis einen geheimen M√§nnerring gef√ľhrt zu haben, dessen Mitglieder sich mit Tiernamen tarnen. Sie sollen Strichjungen aus dem Basler Schwulenmilieu sowie minderj√§hrige Knaben zu widerlichen, von Gewaltpraktiken und Drogenmissbrauch gepr√§gten Sex-Partys gezwungen haben.

Die Beamten stellten im gr√ľnen Haus nach eigenen Angaben ¬ęumfangreiches Beweismaterial¬Ľ sicher, darunter zahlreiche Videob√§nder, 98 √§ltere Super-8-Filme sowie kistenweise private Fotos von nackten M√§nnern und Jugendlichen. Sie stiessen zudem auf Namenslisten m√∂glicher Mitglieder des Sexringes. Zum Tierkreis geh√∂ren nach den ersten Erkenntnissen ausschliesslich M√§nner, vorwiegend Akademiker, Gesch√§ftsleute, √Ąrzte und Wirte – allesamt aus den besseren Kreisen Basels.

Den Behörden waren schon vor der Hausdurchsuchung die Identitäten von einem halben Dutzend Tierkreis-Mitgliedern bekannt, darunter zwei Mediziner: ein Universitätsdozent, Tarnname Elefant, sowie ein Arzt namens Eisbär mit eigener Praxis.

Dass die Beamten √ľberhaupt f√ľndig wurden, ist spektakul√§r. Lange Zeit schenkten sie den Aussagen ihres einzigen Zeugen keinen Glauben. Der fr√ľhere Drogenabh√§ngige und Strichjunge Lucky verbrachte nach eigenen Angaben zu Beginn der neunziger Jahre zwei Jahre in den F√§ngen des M√§nnerringes. Vergangenen April schilderte er der Basler Staatsanw√§ltin Judie Melzl w√§hrend einer vierst√ľndigen Einvernahme ausf√ľhrlich, welche Gr√§ueltaten sich in den R√§umen des gr√ľnen Hauses abgespielt hatten.

Entstanden war ein Protokoll des Unfassbaren. Lucky war als 22-J√§hriger erstmals an R. F. geraten und von ihm in den Ring eingef√ľhrt worden. Er avancierte rasch zum Lieblingsknaben der Partybesucher. Jeden Mittwoch ging es los. ¬ęUm 15 Uhr trank Krokodil einen Appenzeller, dann drehte er den ersten Joint und wartete auf G√§ste¬Ľ, erinnert sich Lucky. Im Keller des gr√ľnen Hauses befindet sich ein Weinkeller, daneben eine Bar und eine kleine Disco. An der Wand eine grosse Leinwand, in der N√§he die √ľppige Filmsammlung – verbotene Videos mit Kindersex, sadistischen und sodomistischen Qu√§lereien. Auch solche mit echten Todesszenen sollen darunter gewesen sein. An der Wand hatte das Krokodil in einem Bilderrahmen eine polizeiliche Vorladung h√§ngen, wegen des Verdachts auf Misshandlungen. ¬ęKroko lachte, wenn er das Schreiben sah¬Ľ, sagt Lucky, ¬ęman habe ihm nie etwas nachweisen k√∂nnen.¬Ľ

Das Krokodil zeigte Lucky ein Buch, voll mit Fotos junger M√§nner, jeweils drei Aufnahmen: Gesicht, Ges√§ss und Penis. Wie ein Sklave musste Lucky h√§rtesten, schmerzhaften M√§nnersex ertragen. Gegen Bares, um seine Drogensucht zu stillen. Lucky trank Urin und maltr√§tierte Brustwarzen. Als Stammg√§ste Lucky mit Zigaretten verst√ľmmelten und ihm ein K – wie Krokodil – auf den R√ľcken brennen wollten, stieg er aus.

Laut Aussagen von Lucky und seinem Vormund haben die Behörden bereits vor zwei Jahren erste Hinweise auf einen Missbrauch von Minderjährigen und Abhängigen im organisierten Stil erhalten. Anzeichen existierten Рnur wurde ihnen lange kein Glauben geschenkt. Wohl aus Angst vor einem grossen Skandal. Auch nach Luckys Aussage vom April dieses Jahres blieb die Staatsanwaltschaft zunächst untätig. Bis zur Hausdurchsuchung vergingen zehn Wochen.

Dass doch noch Funde im gr√ľnen Haus gemacht wurden, l√§sst auch einen anderen Schluss zu: dass die Aktivit√§ten des Tierkreises zwar seit einiger Zeit eingestellt waren, sich die Mitglieder aber in Sicherheit wiegten und es nicht f√ľr n√∂tig befanden, Beweismaterial wegzuschaffen.

Einer, der vom obskuren Sexring zumindest ansatzweise seit l√§ngerer Zeit wusste, ist der Basler Kantonsarzt Hanspeter Rohr. Er hatte Ende 1996 w√§hrend eines anderen Verfahrens von obskuren geheimen Treffen erfahren. Doch Rohr war √ľberzeugt, dass es sich ausschliesslich um Treffen unter homosexuellen Erwachsenen handelte. Auch dass Rohr den Namen einer der beiden involvierten √Ąrzte kannte, blieb ohne Folgen. Er vertraute darauf, dass die Staatsanwaltschaft ebenso Kenntnis von den Vorw√ľrfen erhielt. Davon will Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, nichts wissen: ¬ęEs gab keine solchen Informationen.¬Ľ Inzwischen ist Kantonsarzt Rohr zur √úberzeugung gelangt, dass die damaligen Ermittlungen voreilig eingestellt wurden.

Bei der begonnenen Spurensuche gegen den Tierkreis werden die Beh√∂rden wohl weite Kreise ziehen m√ľssen. Mitglieder des Sexklubs sollen sich regelm√§ssig im spanischen Ferienhaus des ¬ęEisb√§ren¬Ľ getroffen haben. ¬ęKrokodil¬Ľ habe breite internationale Kontakte zu sadistisch veranlagten M√§nnern gepflegt. Vorerst Spekulation bleiben Hinweise, wonach Verbindungen zum belgischen Kindersch√§nder Marc Dutroux bestanden. Kenntnis haben die Untersuchungsbeh√∂rden auch von einer Reise nach Thailand erhalten. Dort wollten sich die Tiere den ultimativen Kick verschaffen: zusehen, wie ein Mann vor Publikum zu Tode gefoltert wird.


2) Der Chef nennt sich Krokodil: Krimineller P√§dophilenring “Tierkreis” in Basel mit vielen Kindern und Jugendlichen als Opfern

Sonntagsblick, 5. Juli 1998, Seite A-2

Basel – Das “Sumpfhuhn” singt – und bringt angesehene Basler B√ľrger um den Schlaf: √Ąrzte, Chemiker und Manager betreiben am Rheinknie einen perversen “Tierkreis”. Die Opfer f√ľr ihre Sado-Maso-Spiele besorgen sich die hohen Tiere auf dem Babystrich!

“Lucky” war gerade 14 und hing an der Nadel. Das Geld f√ľr sein Heroin beschaffte sich der Jung-Junkie als Stricher – in den einschl√§gigen Parks und Bars der Rheinstadt.

“Eines Abends bat man mich im Restaurant ‘Dupf’ an einen Tisch. Das ‘Krokodil’ wolle mich sprechen, hiess es”, erinnert sich Lukas Frey, heute 29, an die Nacht, in der alles anfing.

“Frisches Fleisch f√ľr den Tierkreis”

Das Krokodil, das sich f√ľr Lucky interessierte, war der Prokurist R.F. Dieser stammt aus einer angesehenen Basler Fabrikantenfamilie und lebt heute vom Ertrag seiner Immobilien.

Das Krokodil und der blutjunge Stricher waren sich schnell handelseinig. “Ich brauche Geld f√ľr die Drogen – und er frisches Fleisch f√ľr seinen Tierkreis”, sagt Lucky.

Der Prokurist Kroko betreibe seit Anfang der 80er Jahre einen geheimen Sexring, getarnt als Tierkreis. Der Staatsanwältin Judie Melzl nannte er auch die Namen von angesehenen Baslern, die dem perversen Kreis angehören:

– Der “Elefant” im Tierkreis ist der Arzt und Privatdozent Dr. Y.Z. Er sollte einmal f√ľr Lucky 10.000 Franken bezahlen, weigerte sich aber im letzten Moment.
– Als “Eisb√§r” geh√∂rt der Pharmakologe U.J. zum Sexring.
– Der “Weisse Affe” ist ein bekannter Friseur, der aus Basel stammt und heute in Frankreich arbeitet.
– Der Wirt X.Y. nennt sich “Wieseli”.
– Als “Adler” fungiert der Gesch√§ftsmann P.L.

“Ich musste jeden Dienstag zu Kroko”, berichtet Lucky dem SonntagsBlick. “Im Keller liefen w√ľste Partys – mit viel Alkohol und schmerzhaften Sado-Maso-Spielen. Kroko, Eisb√§r, Wieseli und Co. geilten sich an Kinderpornos auf – und liessen sich von mir und den andern Buben befriedigen. Regelm√§ssig reiste der Tierkreis nach Thailand und auf die Philippinen. In Fernost seien die Buben halt billiger, erkl√§rten sie.”

Lucky avancierte schnell zum Lieblings-Stricher von Kroko. Der Tierkreis ehrte ihn mit einem Pokal f√ľr “das s√ľsseste Schleckmaul”. Schliesslich belohnte Kroko den Strichjungen mit der Aufnahme in den Tierkreis – Lucky erhielt den Namen “Ralle”, den Namen eines Sumpfhuhns.

Das perverse Archiv des Krokodils

Lucky: “Kroko f√ľhrt auch einen Katalog mit Fotos des Hintern und der Genitalien jedes Buben. Jeder Stricher musste eine getragene Unterhose in sein ‘Archiv’ abgeben.”

Die Qu√§lereien, der Whisky und die Drogen forderten ihren Tribut. V√∂llig am Ende wandte sich Lucky an den Arzt Dr. K. – mit Hilfe von Methadon wollte er vom Heroin wegkommen. Dr. K. geh√∂rt zwar nicht zum Tierkreis, trotzdem kam es auch bei ihm zu Sex. “Ich musste den Arzt oral befriedigen, damit ich mein Methadon bekam”, behauptete Lucky.

Immerhin: Mit Hilfe von Methadon schaffte Lucky den Ausstieg aus den Drogen, ein Sozialarbeiter verhilft ihm zu einer IV-Rente. Jetzt wagte er auch den Absprung aus dem Tierkreis: “Die Praktiken wurden immer brutaler – und ohne die Drogen sp√ľrte ich die Schmerzen doppelt und dreifach”, erkl√§rt Lucky.

Endg√ľltig genug vom Tierkreis aber hatte Lucky, als die Herren wieder einmal eine Reise planten: “Sie wollten nach Thailand, um dort zuzusehen, wie P√§dophile ein Kind zu Tode qu√§lten”, sagt Lucky.

SonntagsBlick konfrontierte auch Prokurist R.F. mit den Vorw√ľrfen. Doch das Krokodil verweigerte das Gespr√§ch: “Lucky ist ein Trudi Gerster, eine M√§rlitante”, erkl√§rte er.

Doch wird das Krokodil wohl demn√§chst trotzdem Stellung nehmen m√ľssen. Die Aussagen, die Lucky gegen√ľber SonntagsBlick gemacht hat, deponierte er auch bei der Basler Justiz.

“Wir ermitteln seit dem 21. April [1998]. Zurzeit machen wir eine Auslegeordnung. Wenn sich der Verdacht erh√§rtet, schlagen wir auch zu”, erkl√§rt Kriminalkommiss√§r Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft.


3) Perverse Sexpartys mit Buben – bis heute geduldet

Blick, 6. Juli 1998, Seite 2, Beat Alder

BASEL – Angesehene Biederm√§nner trafen sich im Geheimzirkel “Tierkreis” zu perversen Sexpartys. Bis ein Opfer im SonntagsBlick auspackte. Jetzt kam aus: Die Basler Strafverfolger sahen dem Treiben des Zirkels seit langem zu. Ohne einzuschreiten!

Bislang interessierten sich die Basler Strafverfolger nicht f√ľr den Sexzirkel. Dabei besassen die Beh√∂rden seit fast zwei Jahren Informationen √ľber den Tierkreis.

“Wir ermitteln jetzt mit aller H√§rte”, sagte Staatsanw√§ltin Judie Melzl vor zwei Wochen gegen√ľber BLICK. Und fuhr in die Ferien!

Weshalb die Behörden den Fall nicht längst mit allem Nachdruck verfolgten, konnte sie nicht erklären.

Die Mitglieder des Tierkreises sind angesehene B√ľrger: √Ąrzte, Chemiker, Pharmakologen, Anw√§lte und Gesch√§ftsleute. Allen gemein ist die Vorliebe f√ľr perversen Sex mit Knaben.

An der Spitze des Tierkreises steht das “Krokodil”, ein √ľber 60-j√§hriger Gesch√§ftsmann. Sein dreist√∂ckiges Reihenhaus an bester Wohnlage in Basel-West diente dem Geheimzirkel jahrelang als Anlaufstelle.

“Elefant” ist ein renommierter Spezialarzt, “Eisb√§r” ist Pharmakologe. Ein Baselbieter Wirt war als “Wieseli” bekannt. Ein Gesch√§ftsmann nannte sich “Adler”, ein Prominenten-Coiffeur nahm als “Weisser Affe” an den Partys teil.

Eines ihrer Opfer: Lukas “Lucky” Frey, heute 29. Er kennt den Tierkreis aus leidvoller Erfahrung. Als 14-J√§hriger geriet Lucky in die F√§nge von “Kroko”.

“Ich war jeden Dienstag dran”, sagte der Methadon-abh√§ngige Ex-Junkie dem SonntagsBlick. Auch die anderen Opfer der “Tiere” waren gefangen zwischen Drogensucht und Sklaverei: Die “Tiere” bezahlten gut.

Lucky wollte aussteigen. Er wandte sich an den Kinderarzt Dr. K. Von ihm erhielt er Methadon. Und musste mit Sex bezahlen. Dr. K. wusste alles √ľber die “Tiere”. Lucky: “Er war richtig scharf darauf, sich von mir die Details erz√§hlen zu lassen.”

Die Basler Staatsanwaltschaft sah keinen Grund, den renommierten Arzt und damaligen Präsidenten der Kinderspitalkommission anzuklagen: Das Verfahren wurde eingestellt!

Jetzt wird es neu aufgerollt.


4) Der “Tierkreis” war ein Sexzirkel

Tages-Anzeiger, 8. Juli 1998, Seite 14, Thomas Renold

Basel. – In Basel ist eine Organisation unter dem Decknamen “Tierkreis” wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Jugendlichen ausgehoben worden. Auf die Spur des “Tierkreises” f√ľhrten die Ermittlungen gegen einen 70j√§hrigen Arzt. Ein ehemaliger Patient habe den Arzt wegen sexueller √úbergriffe angezeigt, teilte am Dienstag die Staatsanwaltschaft in Basel mit. Bereits vor zwei Jahren wurde gegen den Arzt er¬≠mit¬≠telt. Weil sich damals die Vorw√ľrfe nicht erh√§rten liessen, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Geleitet wurde der “Tierkreis” von einem 64j√§hrigen Mann mit dem √úbernamen “Krokodil”. Bei einer Hausdurchsuchung seien Bilder von nackten M√§nnern, pornographisches Material und Namenslisten gefunden worden, sagte Kriminalkommiss√§r Markus Melzl. Die Mitglieder des Sexzirkels w√ľrden alle aus der Region Basel stammen. Ob sie bei ihren Treffs strafbare sexuelle Praktiken oder sexuelle Handlungen mit Minderj√§hrigen durchf√ľhrten, m√ľsse die Untersuchung zeigen.

Laut Aussagen des Patienten, der wegen seiner Heroinsucht in √§rztlicher Behandlung stand, geh√∂ren dem “Tierkreis” prominente M√§nner an. Buben und Drogenabh√§ngige seien von ihnen w√§hrend Jahrzehnten missbraucht worden.


5) “Tierkreis”: Porno-Material entdeckt

Basler Zeitung, 8. Juli 1998, Seite 27, Valentin Kressler

Bei den Untersuchungen gegen die Organisation “Tierkreis” ist die Staatsanwaltschaft f√ľndig geworden: Am Montag Abend hat sie bei einer Hausdurchsuchung eine grosse Menge an pornographischem Material entdeckt. Ob sich darunter auch strafrechtlich verbotene Sachen befinden, wird derzeit noch abgekl√§rt.

“Basler Sex-Ring aufgeflogen! – √Ąrzte und Manager missbrauchten Kinder”, titelte der “SonntagsBlick” am vergangenen Wochenende und brachte damit eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen eine Organisation namens “Tierkreis” an die √Ėffentlichkeit. Deren “prominente” Basler Mitglieder sollen angeblich sexuelle Praktiken und Handlungen aus√ľben, die verboten sind, wie auch Markus Melzl, der Chef Medien und Information bei der Staatsanwaltschaft, best√§tigt hat (vgl. BaZ vom 6. Juli).

Eine F√ľlle von Material

Gestern Dienstag ist nun die Basler Staatsanwaltschaft aus eigener Initiative an die √Ėffentlichkeit gelangt: In einem Communiqu√© teilte die Untersuchungsbeh√∂rde mit, dass sie am Montag Abend bei einem als Mitglied des “Tierkreises” bezeichneten 64j√§hrigen Mann eine Hausdurchsuchung vorgenommen und dabei eine grosse Menge an pornographischem Material und umfangreiche Unterlagen im Zusammenhang mit der Organisation “Tierkreis” sichergestellt hat. Man habe dabei eine “F√ľlle von Material” gefunden, pr√§zisierte Melzl im Gespr√§ch mit der BaZ. Einerseits handelt es sich um eine umfangreiche Sammlung von Filmen und Fotos, darunter befinden sich alleine schon 98 Rollen Super-8-Filme, andererseits um Namen und Daten von Mitgliedern der Organisation.

“Auf den ersten Blick enth√§lt das Material der Hausdurchsuchungen aber nur Bilder von nackten jungen M√§nnern und nicht von Minderj√§hrigen”, erkl√§rte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. In den n√§chsten Tagen gelte es jetzt zuerst einmal abzukl√§ren, ob es sich bei den sichergestellten Gegenst√§nden um legale Pornographie handle, oder ob sich auch strafrechtlich verbotene Sachen darunter befinden w√ľrden. Im Mittelpunkt der Ermittlungen der Gruppe f√ľr Sexualdelikte des Kriminalkommissariats stehen die Straftatbest√§nde der sexuellen Handlungen mit Kindern, der sexuellen N√∂tigung sowie der verbotenen Pornographie. Wie schon in der BaZ vom Montag betonte Melzl, dass die Untersuchungsbeh√∂rden erst seit kurzem Kenntnis von der Organisation h√§tten. “Basel ist keine Millionenmetropole. Wir h√§tten es ziemlich sicher gewusst, wenn √ľber Jahre hinweg sexuelle Handlungen mit Kindern begangen worden w√§ren.”

Beim 64j√§hrigen Mann, bei dem das Material am Montag Abend sichergestellt wurde, soll es sich nach den Angaben von Melzl um den Kopf der Organisation “Tierkreis” und bei dessen Privatwohnung im Grossbasel um das Hauptquartier der Gruppe handeln. Der fr√ľherer Prokurist ist unter dem Decknamen “Krokodil” bekannt und nicht “prominent”. Der Mann befindet sich derzeit auf freiem Fuss und nicht etwa in Unter¬≠suchungs¬≠haft, weil nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keinerlei Haftgr√ľnde vorliegen. “Er h√§tte das Material ja schon lange verschwinden lassen oder selbst fl√ľchten k√∂nnen”, begr√ľndete Melzl das Vorgehen.

Drei weitere Mitglieder

Bei den anderen drei bis heute ermittelten Mitgliedern der Organisation “Tierkreis” handelt es sich neben einem Apotheker und einem Arzt aus dem Kanton Basel-Stadt auch um einen Wirt aus dem Kanton Baselland. Eine allf√§llige Hausdurchsuchung bei diesen drei Personen werde allerdings erst dann zur Diskussion stehen, wenn bei der Sichtung des nun gefundenen Materials strafrechtlich verbotene Sachen entdeckt w√ľrden, sagte Melzl auf eine entsprechende Frage der BaZ. “Die weiteren Schritte machen wir von der Auswertung des Materials abh√§ngig.”

Die Basler Staatsanwaltschaft ist gem√§ss Melzl auf die Organisation “Tierkreis” im Rahmen der Wiedereinleitung eines vor zweieinhalb Jahren eingestellten Strafverfahrens gegen einen mittlerweile pensionierten 70j√§hrigen Basler Arzt aufmerksam geworden. Dieser soll dem Gesch√§digten, einem in einem Methadonprogramm stehenden 29-j√§hrigen Mann das Methadon angeblich erst dann ausgeh√§ndigt haben, wenn dieser ihn zuvor sexuell befriedigt hatte. Bei diesem Verfahren gibt es im √ľbrigen zurzeit keine Neuigkeiten zu vermelden, wie Melzl erkl√§rte.


6) Tierkreis jahrelang aktiv

Tages-Anzeiger, 15. Juli 1998, Seite 12

Basel. – Die in Basel wegen Sexualdelikten verd√§chtigte Organisation “Tierkreis” (TA vom 8. Juli) ist offenbar bereits vor 30 Jahren aktiv gewesen.

Bei Hausdurchsuchungen in der vergangenen Woche hat die Basler Staatsanwaltschaft 98 Super-8-Filmspulen, Unmengen an Videokassetten, Heftchen und Privatphotos sichergestellt.

Ein Teil des sichergestellten Filmmaterials sei mit Sicherheit 30 bis 35 Jahre alt; allfällige strafbare Handlungen seien somit verjährt. Bei der Visionierung des Bildmaterials wurden bisher jedoch keine strafrechtlich relevanten Handlungen festgestellt.

Kauf von Porno nicht strafbar

Ebenfalls sichergestellte Aufnahmen von Kinderpornographie und Pornographie mit Tieren seien aufgrund der bisherigen Ermittlungen nur gekauft und nicht selber produziert worden, was in der Schweiz nicht strafbar ist.

Die Basler Untersuchungsbehörden haben laut Melzl eine Liste von rund 20 Mitgliedern der Organisation im Alter von heute 60 bis 70 Jahren, darunter ein Anwalt, ein Apotheker, ein Arzt und der als treibende Kraft der Gruppe geltende Prokurist. Die Vertreter der Gruppe hätten zugegeben, sich zu Sexspielen getroffen zu haben. Die Untersuchungen laufen weiter.

Unabh√§ngig davon l√§uft das Verfahren gegen einen Arzt (60), der nicht zum “Tierkreis” geh√∂rt hat. Ein 29j√§hriger wirft ihm vor, er habe diesen oral befriedigen m√ľssen, um von ihm Methadon zu erhalten. (AP)


7) Basler Sexring: Das ist das Krokodil

Sonntagsblick, 12. Juli 1998,  Seite A10

Lucky (29) – er war gerade vierzehn, als er in die F√§nge des Krokodils geriet. Dem SonntagsBlick erz√§hlte er exklusiv, wie er vom Multimillion√§r missbraucht wurde. Wie ihn der Tierkreis mit der Aufnahme in den M√§nnerring ehrte und er den Namen “Ralle”, den eines Sumpfhuhns, erhielt.

Das Krokodil – es heisst mit b√ľrgerlichem Namen Ren√© F. (64). Und: Es ist der Boss des Tierkreises. Dem geh√∂ren angesehene M√§nner an; √Ąrzte, Chemiker, Manager, vor allem aus dem Basler Daig, aber nicht nur: Der Tierkreis ist international. Einige der 120 Mitglieder kommen aus Marokko, Thailand, Spanien, England und Deutschland. Und sie alle zittern. Denn Lucky ist kein Einzelfall. Immer mehr Opfer sprechen offen √ľber die traumatischen Ereignisse ihrer Kindheit.

Beat* (35) k√§mpft mit den Tr√§nen. Seine Stimme stockt: “Ich war damals erst elf. Ich musste Bier trinken, Hasch rauchen, Poppers sniffen, mir die widerlichsten Sex-Filme ansehen, bevor mich das Krokodil drannahm.” Mit Malen versucht er heute, die Missbr√§uche zu verarbeiten. Beat: “Die Orgien dauerten manchmal zwanzig Stunden lang.”

Auch Reto* (32), ein b√§renstarker Mann, redet sich jetzt die Seelenpein vom Leibe. “Mit dreizehn musste ich mir einen Film anschauen, in dem eine Rockerbande ein 13-j√§hriges M√§dchen vergewaltigte. Es lag auf einem Altar. Seither kann ich keine Kirche mehr betreten.” Reto weint: “Das Krokodil hat mich mit zwei Kollegen vergewaltigt. Ich musste Urin trinken und wurde an den Geschlechtsteilen mit Stecknadeln traktiert.”

Das Krokodil leugnet alles

Und was sagt dazu das Krokodil? “Alles Hirngespinste. Ich habe nie mit Buben geschlafen.”

Die Basler Polizei f√ľhrte diese Woche in den R√§umlichkeiten des Krokodils drei Hausdurchsuchungen durch. Beschlagnahmt wurden 98 Super-8-Streifen, darunter Kinderpornos und Filme, die Sex mit Tieren beinhalten. Weiter Hunderte von Nacktfotos, die Tageb√ľcher des Krokodils der vergangenen zwanzig Jahre und die Namensliste der Tierkreismitglieder.

Kriminalkommissar Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft: “Wir entdeckten auch eine Fallt√ľr, die mit einem Teppich und einem Stuhl zugedeckt war.” Doch Melzl bef√ľrchtet, dass die meisten mutmasslichen Straftaten bereits verj√§hrt sind. Dazu die Basler SP-Nationalr√§tin Margrith von Felten: “Die Verj√§hrungsfristen m√ľssen unbedingt verl√§ngert werden. Konkret: Sie d√ľrfen erst mit der M√ľndigkeit der Opfer zu laufen beginnen. Wer Kinder missbraucht, begeht Seelenmord.”

* Name der Redaktion bekannt

Die Polizei sucht weitere Opfer des Krokodils

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ruft s√§mtliche Opfer des Tierkreises dazu auf, sich mit ihr umgehend in Verbindung zu setzen (061-267 71 71). Kriminalkommissar Markus Melzl: “Unsere Beamtinnen und Beamten sind in der Lage, die heiklen Befragungen einf√ľhlsam durchzuf√ľhren. Dem Opferhilfegesetz wird voll Rechnung getragen. Die Befragungen werden durch Personen gleichen Geschlechts durchgef√ľhrt. Die Opfer k√∂nnen zur Ein¬≠ver¬≠nahme eine selbstgew√§hlte Vertrauensperson mitnehmen. Notfalls erhalten sie psychologische Betreuung.”


8) Viele animalische Geschichten √ľber den Basler “Tierkreis”

Basler Zeitung, 16. Juli 1998, Seite 21, Markus Sutter

(Anmerkung: Ein relativierender und teilweise irref√ľhrender Beitrag der Basler Zeitung.)

Seit Anfang Juli berichtet die auflagenst√§rkste schweizer Zeitung serienm√§ssig √ľber ein regionales Ereignis, das aber aus strafrechtlicher Sicht noch keine Zeile wert ist: Denn bis jetzt fehlen Anhaltspunkte daf√ľr, dass P√§dophile in einem “Tierkreis-Sexclub” ihre perversen Neigungen ausgelebt haben. Hingegen muss ein Arzt mit einer Anzeige rechnen.

Basel. msu. Unter dem schlagzeilentr√§chtigen Titel “Basler Sex-Ring aufgeflogen! – √Ąrzte und Manager missbrauchten Kinder” sorgte der “Sonntagsblick” zu Beginn der Sommerferien f√ľr etliche Aufregung in der traditionell nachrichtenarmen Zeit. Kronzeuge war ein 29-j√§hriger Mann. Nach Aussagen des Gesch√§digten sollen zahlreiche prominente Basler verbotene sexuelle Praktiken mit Kindern ausge√ľbt haben.

Zumindest eine Aussage stimmt im letzten Satz bestimmt nicht: Auf der rund 120-k√∂pfigen Mitgliederliste, welche sich in den H√§nden der Staatsanwaltschaft befindet, tauche niemand auf, welcher mit der “High Society” irgendwie in Verbindung gebracht werden k√∂nne, stellte Kriminalkommiss√§r Markus Melzl gestern gegen√ľber der BaZ klar. Wer beispielsweise einen Politiker ausfindig machen wolle, suche v√∂llig vergebens.

Fälle durcheinandergebracht

Im weiteren st√∂rt sich der Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft vor allem am Umstand, dass hier zwei Vorkommnisse, welche grunds√§tzlich nichts miteinander zu tun h√§tten, von den Medien immer wieder durcheinandergebracht w√ľrden. Einzig das Opfer spiele beide Male eine zentrale Rolle. Der erste Fall dreht sich um einen √§lteren Arzt, welcher mit dem 29-j√§hrigen Kronzeugen Lucky sexuelle Kontakte pflegte und dessen Methadonabh√§ngigkeit ausgen√ľtzt haben soll. Ein erstes Verfahren sei dann aber am 16. Januar 1996 eingestellt worden, weil der j√ľngere Mann von einer freiwillig gew√§hlten Liebesbeziehung zum Arzt sprach. Doch ein Betreuer scheine diese Ausf√ľhrungen nicht f√ľr bare M√ľnze genommen zu haben, so dass in der Folge eine Neuauflage des Verfahrens eingeleitet worden sei.

Fr√ľhere Aussagen korrigiert

Lucky widerrief dabei seine fr√ľheren Aussagen und sprach neuerdings von Druckversuchen und einem Abh√§ngigkeitsverh√§ltnis. Nach dem gegenw√§rtigen Stand der Dinge m√ľsse der Arzt jetzt entweder mit einer Anklage wegen sexueller N√∂tigung oder der Ausn√ľtzung einer Notlage rechnen, sagte Melzl. Es gebe keinen Grund, dem jungen Mann nicht zu glauben.

So viel zum ersten Fall. Der zweite Fall dreht sich um den sogenannten “Tierkreis”, worauf Lucky die Beh√∂rden im Laufe des zweiten Ermittlungsverfahrens aufmerksam gemacht hatte. Schwer wogen in diesem Zusammenhang seine Vorw√ľrfe, dass ein sadomasochistisch veranlagter M√§nnerring Jugendliche missbraucht und gequ√§lt haben soll. In zwei Hausdurchsuchungen wurde zwar eine F√ľlle von porno¬≠gra¬≠phi¬≠schem Material – auch √ľber Kinder – gefunden. Da die sichergestellte Ware aufgrund der bisherigen Ermittlungen nur gekauft und nicht selber produziert worden war, liegt laut Melzl jedoch kein strafrechtlich relevanter Tatbestand vor. Denn der blosse Besitz solcher Aufnahmen werde in der Schweiz toleriert.

Wohl √ľberall verj√§hrt

Strafbar seien aber sexuelle Handlungen mit Kindern unter 16 Jahren. Beweise daf√ľr, dass irgendwelche P√§dophile am Werk waren, fehlten indessen nach wie vor. Und wenn, dann d√ľrften die meisten Vorf√§lle laut Melzl sowieso verj√§hrt sein. Das ist nach sp√§testens zehn oder in Ausnahmef√§llen nach 15 Jahren der Fall (sofern sich der T√§ter beispielsweise vor√ľbergehend in Haft befand). Der 29-j√§hrige Lucky w√§re also streng rechtlich gesehen kein Opfer mehr, genauso wenig wie ein 54-j√§hriger Mann, der sich schriftlich bei den Beh√∂rden gemeldet habe und vorgab, im Alter von 14 Jahren von “Tierkreis-Mitgliedern” sexuell misshandelt worden zu sein.

“Wir w√§ren aber eine schlechte Strafverfolgungsbeh√∂rde, wenn wir immer mit der Verj√§hrung kommen w√ľrden”, machte Melzl gegen√ľber der BaZ klar. Gesch√§digte, welche bei den Befragungen eine Person ihres Vertrauens beiziehen k√∂nnten, sollten sich in jedem Fall bei den Beh√∂rden melden. Die Verfahren w√ľrden streng nach Opferhilfegesetz durchgef√ľhrt.

Nicht auszuschliessen ist allerdings generell, dass die “Tierkreis”-Story insbesondere in Z√ľrcher Medien nicht nur hochgespielt, sondern auch in v√∂llig verzerrter Weise dargestellt wurde. Ein Paradebeispiel daf√ľr lieferte die Zeitung “Facts”, welcher “ger√ľchteweise” zu Ohren kam, dass der “Basler M√§nnerring Kontakte zum Kindersch√§nder Dutroux pflegte” und im selben Artikel auch gleich ein Bild des verhafteten Belgiers ver√∂ffentlichte.

Keine Moralapostel

Soweit w√ľrde sich Melzl niemals auf die √Ąste hinauslassen. Zwar steht f√ľr den Kriminalkommiss√§r einwandfrei fest, dass sich am Ort des Geschehens kein Literaturclub ein Stelldichein gab. Vielmehr scheint es sich um einen bevorzugten Treffpunkt f√ľr Schwule zu handeln. Die Basler Staatsanwaltschaft mache aber weder Jagd auf Schwule, noch masse sie sich das Recht an, eine Moralbeh√∂rde zu sein, betonte Melzl.

“Tierkreis-Mitglied” meldete sich

Aus Ver√§rgerung √ľber die Berichterstattung in der Sonntagspresse hat sich ein “Tierkreis”-Mitglied, welches √ľber die “Szene” seit langem Bescheid zu wissen glaubt, direkt bei der BaZ gemeldet. Stricher seien etliche anzutreffen. Er kenne aber absolut niemanden, welcher mit Kinderpornographie etwas am Hut habe, beteuerte er. Unter den 120 Leuten figurierten zudem mehrere Frauen und Nichtschwule. Sie alle seien vom Chef der losen Verbindung spasseshalber mit einem Tiernamen ausgestattet worden.

Seine Schwester beispielsweise habe das “Krokodil”, welches in der √Ėffentlichkeit bereits mehrmals als Kopf der Organisation bezeichnet wurde, auf den Namen “Pferd” getauft.

Weil findige Internet-Freaks aufgrund der ver√∂ffentlichten Initialen teilweise die Namen von “Tierkreis”-‚ÄčMitgliedern ausfindig machen konnten, f√ľhlen sich nun einige von ihnen bedr√§ngt und haben auch bereits mit rechtlichen Schritten gedroht. Markus Melzl w√§re froh, wenn sich diese Betroffenen vorg√§ngig mit ihm oder der Gruppe f√ľr Sexualdelikte beim Kriminalkommissariat in Verbindung setzen w√ľrden.


9) Neue Vorw√ľrfe gegen Basler “Tierkreis”

Basler Zeitung, 25. Juli 1998, Seite 29, Valentin Kressler

Bei den Ermittlungen gegen den Basler “Tierkreis” sind drei neue potentiell Gesch√§digte aufgetaucht. Von strafrechtlich relevanten Handlungen kann aber nach wie vor keine Rede sein.

Die Aff√§re um die Organisation “Tierkreis”, deren Mitgliedern sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen wird, zieht weitere Kreise: Seit dem BaZ-Artikel vom 16. Juli hat die Staatsanwaltschaft neben dem 29-j√§hrigen “Lucky”, der die ganze Angelegenheit ins Rollen gebracht hat, n√§mlich von drei weiteren potentiell Gesch√§digten Kenntnis bekommen, wie Mediensprecher Markus Melzl auf Anfrage erkl√§rte. Die Untersuchungsbeh√∂rde hat gestern und vorgestern die Aussagen von zwei dieser Opfer aufgenommen. Beim jetzigen Stand der Dinge, so Melzl, w√ľrden sich die von “Lucky” erhobenen Vorw√ľrfe best√§tigen.

“Der Hauptvorwurf ist, dass es zwischen Mitgliedern des Tierkreises und den Gesch√§digten zu sexuellen Handlungen gekommen ist, zum Zeitpunkt, als diese noch nicht 16 Jahre alt waren”, erl√§uterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Womit der Artikel 187 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (Sexuelle Handlungen mit Kindern) unter Umst√§nden erf√ľllt w√§re. W√§re, denn die zur Diskussion stehenden Handlungen sind – wie schon bei “Lucky” – l√§ngst verj√§hrt. Die f√ľr solche F√§lle massgebende Verj√§hrungsfrist betr√§gt zehn Jahre seit der letzten Tat. Der Staatsanwaltschaft liegt also zum jetzigen Zeitpunkt keine einzige strafrechtlich relevante Handlung vor. Aus diesem Grund k√∂nne gegen die Tatverd√§chtigen, so h√§lt Melzl klar fest, kein Strafverfahren eingeleitet werden, weshalb es bisher auch zu keiner Einvernahme gekommen sei.

Bei den drei neu aufgetauchten Gesch√§digten handelt es sich im √ľbrigen um zwei Basler (32 und 54 Jahre alt) sowie um einen im Raum Konstanz wohnhaften √§lteren Deutschen. Dessen Aussage konnte noch nicht aufgenommen werden, weil er sich zurzeit ferienhalber in den USA aufh√§lt.

Im Gespr√§ch mit der BaZ zeigte sich Melzl denn auch unzufrieden mit der geltenden Gesetzgebung: “Die heutige Regelung der Verj√§hrung bei den Sexualdelikten ist unbefriedigend. Eine zehnj√§hrige Frist, die mit der Vollj√§hrigkeit der Betroffenen zu laufen beginnt, w√§re sinnvoller. Das h√§tte zudem eine grosse pr√§¬≠ven¬≠tive Wirkung.” Angesprochen auf die n√§chsten Ermittlungsschritte nennt der Mediensprecher in erster Linie die nun laufenden Zeugenbefragungen. Auch hofft er, dass sich bei der Staatsanwaltschaft weitere Personen melden, die √ľber nicht verj√§hrte, strafrechtlich relevante Handlungen Auskunft geben k√∂nnen.

Der mutmassliche Kopf des “Tierkreises”, ein fr√ľherer Prokurist mit dem Decknamen “Krokodil”, wollte gegen√ľber der BaZ keine Stellungnahme zu den j√ľngsten Vorw√ľrfen abgeben. Der Mann wies jedoch darauf hin, dass es zu keinerlei sexuellen Handlungen mit Minderj√§hrigen gekommen sei.


10) Offensive gegen “Tierkreis”: Grosse Namenslisten und geplante Massenverh√∂re

Sonntagsblick, 9. August 1998, Seite A15

BASEL – Die Basler Polizei bl√§st zur Offensive gegen den Sex-“Tierkreis”: Geplant sind Massenverh√∂re. “Bei Hausdurchsuchungen stiessen wir auf Dutzende von Namen”, erkl√§rt Markus Melzl von der Staats¬≠an¬≠walt¬≠schaft. “Diese Personen werden wir jetzt alle kontaktieren.” Bis anhin eruierte die Polizei vier Opfer, die bezeugen, als Kinder von Mitgliedern des “Tierkreises” sexuell missbraucht worden zu sein. Melzl: “Die Taten sind aber alle verj√§hrt. Wir suchen jetzt Gesch√§digte, deren Missbrauch weniger lang zur√ľckliegt.”

Letzter bekannter Medienbericht zum ¬ĽBasler Tierkreis¬ę.


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