Das gew√ľnschte Narrativ II

Im Dezember 2015 publi­zierte das News­portal Watson (AZ Medien) einen Artikel des lang­jährigen Tages­schau-Kor­res­pon­denten Hel­mut Sche­­ben zum Syrien­krieg. Scheben stellte den Krieg in einen geo­po­li­tischen Kontext und kri­ti­sierte die westliche Be­richt­er­stattung als einseitig und ma­ni­pu­la­tiv.

Der Artikel un­ter­schied sich deutlich von anderen Aus­lands­bei­trägen auf Watson, die meist vom deutsch-transatlantischen Content Partner Spiegel Online geliefert werden.

Keine zwei Tage sp√§ter ver√∂ffentlichte Watson jedoch einen aufgebrachten R√ľckruf, in dem sich das Portal vom Artikel distanzierte und Helmut Scheben w√ľst beschimpfte: Man sei auf einen “Putin-Troll” herein¬≠ge¬≠fallen, der wo¬≠m√∂glich in der “russischen Propaganda-Maschinerie” mit¬≠wirke. Auch Leser, die sich positiv zum ur¬≠spr√ľng¬≠lichen Artikel ge√§u√üert hatten, wurden als ¬ĽTrolle¬ę verun¬≠glimpft.

Wer oder was hat wohl hinter den Kulissen zu dieser selt¬≠samen Reak¬≠tion gef√ľhrt? Jeden¬≠falls wurde den hiesigen Journa¬≠listen damit einmal mehr in Er¬≠in¬≠nerung gerufen: Wer sich in der Schweiz nicht an das ge¬≠w√ľnschte Nar¬≠ra¬≠tiv h√§lt, ris¬≠kiert Ruf und Karriere.


Der Kriegsreporter

Wie wird man in den Schweizer Medien zum ¬ĽNahost-Experten¬ę? Kurt Pelda muss es wissen: Von der Welt¬≠woche bis zum Schwei¬≠zer Fern¬≠se¬≠hen ist er der Mann, der die Ereig¬≠nisse in Sy¬≠ri¬≠en und Irak f√ľr das Publi¬≠kum ¬Ľein¬≠ord¬≠nen¬ę darf.

Pelda be¬≠glei¬≠tete schon in den 80er Jahren als junger Journa¬≠list die Mudschahedin im von den USA lancier¬≠ten Krieg gegen die afgha¬≠nische Regie¬≠rung, die mit Moskau verb√ľn¬≠det war. Nach Sta¬≠tionen bei der Financial Times und der NZZ bereist er heute als freier Journa¬≠list erneut Kriegs¬≠ge¬≠biete ‚Äď wie damals meist nur auf Seiten der US-unter¬≠st√ľtzten Milizen.

Ist diese Ein¬≠seitig¬≠keit ein Pro¬≠blem? Nicht f√ľr Pelda, denn er sei schlie√ü¬≠lich ‚Äď so erkl√§rte er in einem Interview ‚Äď ein ¬ĽMei¬≠nungs¬≠jour¬≠na¬≠list¬ę und ¬Ľkein objek¬≠ti¬≠ver Be¬≠obach¬≠ter¬ę, wes¬≠wegen Neutra¬≠li¬≠t√§t f√ľr ihn ¬Ľkeine Option¬ę ist; viel¬≠mehr gehe es ihm um ¬Ľgute Ge¬≠schich¬≠ten¬ę, f√ľr die die Medien zu zahlen be¬≠reit sind. Wer in diesen Ge¬≠schich¬≠ten die Guten sind ‚Äď und wer die B√∂sen ‚Äď d√ľrf‚ÄĆte dabei niemanden √ľber¬≠raschen.

Mit diesem Ansatz wurde Pelda 2014 zum ¬ĽJour¬≠na¬≠list des Jahres¬ę gek√ľrt. Andere Nahost-Ken¬≠ner, denen Objek¬≠ti¬≠vi¬≠t√§t und Neutra¬≠lit√§t wich¬≠ti¬≠ger sind als eine ¬Ľgute Ge¬≠schichte¬ę, kommen in Schwei¬≠zer Medien indes kaum noch zu Wort. Statt ¬Ľein¬≠ge¬≠ordnet¬ę wurde hier ‚Äď aus¬≠sor¬≠tiert.

Foto oben: Pelda in Syrien. (TW)


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