Die NZZ und das New American Century

2010 schrieb der heutige NZZ-Chef¬≠re¬≠dakteur und vor¬≠ma¬≠lige NZZ-Aus¬≠lands¬≠chef Eric Gujer ein Buch √ľber den War on Terror zu¬≠sammen mit Gary J. Schmitt, dem ehe¬≠ma¬≠li¬≠gen Dir¬≠ektor des Project for the New American Century (PNAC).

PNAC wurde 1997 von f√ľh¬≠ren¬≠den Neo¬≠kon¬≠ser¬≠va¬≠ti¬≠ven ge¬≠gr√ľndet, darunter Dick Cheney. Die Gruppe for¬≠derte die weltweite Pr√§dominanz der USA und anti¬≠zi¬≠pierte be¬≠reits im Jahre 2000 in ei¬≠nem Stra¬≠tegie¬≠¬≠papier ein ¬Ľneues Pearl Harbor¬ę als Legi¬≠ti¬≠ma¬≠tion f√ľr die globale US-Offensive.

NZZ-Chef¬≠redakteur und ¬ĽAtlan¬≠ti¬≠ker¬ę Gujer pf‚ÄĆlegte zudem Kon¬≠takte zu mehreren Ge¬≠heim¬≠dien¬≠s¬≠ten ‚Äď Edward Snow¬≠den ist f√ľr ihn denn auch kein Whistle¬≠blower, sondern ein ¬ĽVer¬≠r√§¬≠ter¬ę.

Vermag die NZZ den¬≠noch ob¬≠jek¬≠tiv √ľber das Welt¬≠ge¬≠sche¬≠hen zu berichten? Diese Frage wur¬≠de im Rah¬≠men der NZZ-Studie untersucht.


Die NZZ-Studie

Die Neue Z√ľrcher Zeitung ist das Flagg¬≠schiff unter den Schweizer Tages¬≠zei¬≠tungen. Doch wie objektiv und kritisch berichtet die NZZ √ľber geo¬≠politische Konf‚ÄĆlikte?

Um dies zu be­ant­worten, wurde die Bericht­erstattung der NZZ zur Ukraine-Krise und zum Syrien­krieg während je eines Monats unter­sucht. Die Ergebnisse sind eindeutig.

Zur NZZ-Studie ‚Üí


Abschied von USA-Kritikern

Februar 2012: Der US-kritische Banquier Konrad Hummler muss nach nur einem Jahr im Amt als NZZ-Pr√§si¬≠dent zur√ľck¬≠treten. Seine Privatbank Wegelin wurde von den USA an¬≠ge¬≠klagt und zerschlagen.

F√ľr Schweizer Banken wie Journalisten war dies ein kaum √ľber¬≠h√∂r¬≠ba¬≠rer ¬ĽWeck¬≠ruf¬ę (O-Ton NZZ). Denn Hummler hatte nicht nur bank¬≠politisch, sondern auch publi¬≠zistisch die ¬Ľrote Linie¬ę √ľber¬≠schritten, als er sich in einem viel¬≠beachteten An¬≠la¬≠ge¬≠kom¬≠men¬≠tar mit dras¬≠ti¬≠schen Worten zur Po¬≠li¬≠tik der USA √§u√üerte und einen ¬ĽAbschied von Amerika¬ę forderte.

Viele Schwei¬≠zer Banken und Konzerne ‚Äď und da¬≠mit Ar¬≠beits¬≠pl√§tze, Steuer- und Werbe¬≠ein¬≠nah¬≠men ‚Äď h√§n¬≠gen vom Good¬≠will der USA ab. Ob Schweizer Ver¬≠le¬≠ger und Chef¬≠re¬≠dak¬≠teure diesen aufs Spiel setzen wollen?


Der Schweizer Presserat

Der Schweizer Presse¬≠rat nimmt Be¬≠schwer¬≠den zu Me¬≠dien¬≠be¬≠rich¬≠ten ent¬≠ge¬≠gen und pr√ľft, ob die Beitr√§ge seinen Richt¬≠linien ent¬≠spre¬≠chen.

Aller¬≠dings besteht das Gre¬≠mium selbst aus 15 Jour¬≠na¬≠listen und nur sechs Pub¬≠li¬≠kums¬≠ver¬≠tre¬≠tern ‚Äď und auch diese werden von einem Stif‚ÄƬ≠tungs¬≠rat er¬≠nannt, der g√§nz¬≠lich von Medien¬≠orga¬≠ni¬≠sa¬≠tionen kon¬≠trol¬≠liert wird.

Das Resultat ist naheliegend. Im Som¬≠mer 2014 wurde etwa eine Be¬≠schwerde gegen die no¬≠to¬≠risch ein¬≠sei¬≠tige Ukraine-Bericht¬≠er¬≠stattung der NZZ ein¬≠ge¬≠legt. Ganze zwei Jahre sp√§ter kam der Presse¬≠rat zu seinem Verdikt: Die Rich¬≠tig¬≠keit der NZZ-‚ÄäDar¬≠stel¬≠lung stehe ¬Ľau√üer Frage¬ę, denn auf ¬Ľamt¬≠liche Ver¬≠laut¬≠ba¬≠rungen und Agen¬≠tur¬≠mel¬≠dungen¬ę sei ¬ĽVerlass¬ę, w√§hrend russische Quel¬≠len weder glaub¬≠haf‚ÄĆt noch erforderlich w√§ren; Kom¬≠men¬≠tare m√ľss¬≠ten nicht auf Fak¬≠ten ba¬≠sie¬≠ren, Ge¬≠gen¬≠mei¬≠nungen ein¬≠zu¬≠holen sei ¬Ľun¬≠√ľb¬≠lich¬ę, und an den Aus¬≠f√ľh¬≠rungen der NZZ zu ¬ĽKreml-‚ÄäTrollen¬ę sei ¬Ľnicht zu zwei¬≠feln¬ę. Be¬≠schwerde ab¬≠ge¬≠lehnt.

Pikant: Einige der be¬≠ur¬≠teil¬≠ten Ar¬≠tikel stam¬≠mten von einem NZZ-Redak¬≠teur, der selbst im Stif‚ÄƬ≠tungs¬≠rat des Gremiums sitzt ‚Äď und inzwischen wurde der damalige NZZ-Chef gar zu dessen Pr√§¬≠si¬≠denten ernannt. Beim Presse¬≠rat nennt man dies ¬ĽSelbst¬≠re¬≠gu¬≠lierung¬ę…


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