Die Vertrauensfrage

Das Forschungs¬≠institut f√ľr √Ėf¬≠fent¬≠lich¬≠¬≠keit und Gesell¬≠schaft der Uni¬≠ver¬≠sit√§t Z√ľrich publi¬≠ziert all¬≠j√§hr¬≠lich das ¬ĽJahr¬≠buch Qualit√§t der Medien¬ę. 2016 ver¬≠mel¬≠dete das In¬≠sti¬≠tut, das Ver¬≠trau¬≠en in die Schwei¬≠zer Me¬≠dien sei ¬Ľweiter¬≠hin hoch¬ę ‚Äď so das Er¬≠geb¬≠nis eines L√§nder¬≠ver¬≠gleichs in Zu¬≠sam¬≠men¬≠ar¬≠beit mit dem Reu¬≠ters Insti¬≠tute.

Doch wie hoch ist das Vertrauen in die Schweizer Medien nun wirklich? Dazu findet man in der Mit¬≠tei¬≠lung des Instituts keine An¬≠ga¬≠ben. Und auch die Zei¬≠tungs¬≠be¬≠richte zur Studie er¬≠w√§h¬≠nen diese wich¬≠tige Kenn¬≠zahl nicht. Aus gutem Grund ‚Äď denn die Resultate sind er¬≠sch√ľt¬≠ternd.

Demnach halten nur noch 50% der Schwei¬≠zer Be¬≠v√∂l¬≠ke¬≠rung die Nach¬≠rich¬≠ten f√ľr glaub¬≠w√ľrdig. Das Ver¬≠trauen in die Medien¬≠unter¬≠nehmen und in die Jour¬≠na¬≠listen liegt mit 39% bzw. 35% sogar noch tiefer. Mit anderen Worten: Rund zwei Drittel der Schweizer Be¬≠v√∂l¬≠ke¬≠rung ver¬≠traut den ei¬≠ge¬≠nen Jour¬≠na¬≠listen nicht mehr.

Dennoch glaubt das For¬≠schungs¬≠in¬≠sti¬≠tut ‚Äď das u.a. vom Bundes¬≠amt f√ľr Kom¬≠mu¬≠ni¬≠ka¬≠tion finanziert wird ‚Äď die Nutzung tra¬≠di¬≠tio¬≠neller und ins¬≠b. √∂ffent¬≠licher Medien w√ľrde das Ver¬≠trauen ins Medien¬≠system ¬Ľf√∂r¬≠dern¬ę. Die Da¬≠ten zei¬≠gen je¬≠doch nur, dass regel¬≠m√§√üige Kon¬≠su¬≠menten die¬≠ser Me¬≠dien we¬≠ni¬≠ger kri¬≠tisch sind ‚Äď und ihre An¬≠zahl immer ge¬≠ringer wird.

Update: 2017 sank das Medienvertrauen auf 46%. Die Werte bzgl. Journalisten und Unter¬≠neh¬≠men wurden nicht mehr erhoben. Gem√§√ü F√ĖG war das Vertrauen ¬Ľweiterhin hoch¬ę.


Was ist Medienqualität?

2018 wurde die zweite Ausgabe des Schweizer Medien­qualitäts­rankings vorgestellt. Zuoberst fanden sich erneut die NZZ sowie einige SRF-Nach­rich­ten­for­mate. Stehen diese Resultate im Widerspruch zu unseren Untersuchungen, wonach gerade jene Medien eine besonders hohe Propaganda-Intensität aufweisen?

Keineswegs, denn das Qualit√§tsranking basiert auf rein formalen Kriterien wie Relevanz, Aktualit√§t und Professionalit√§t ‚Äď woraus sich im Endeffekt eine weitgehend triviale Sortierung der Medien von boulevardesk bis bildungs¬≠b√ľrger¬≠lich ergibt. Wer √ľber den Syrienkrieg statt √ľber Superstars berichtet und dazu noch den Experten vom NATO-Thinktank befragt, der schwingt im Ranking schon oben aus.

Das Qualit√§tsranking ist gut gemeint, die Autoren sorgen sich um den √∂konomisch bedingten Niedergang der klassischen Medien und die Auswirkungen auf das Staatswesen. Doch f√ľr den kritischen Leser gen√ľgt ein solch formaler Ansatz l√§ngst nicht mehr ‚Äď denn gefragt ist wahrhaftiger Journalismus, und nicht blo√ü Manipulation auf hohem Niveau.


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