Notizen und Hinweise (Mai 2019)

Neuigkeiten zu Geopolitik und Propaganda.

  • Magnitsky: Es ist der wohl meistzensierte Film des Abendlandes: The Magnitsky Act von Regisseur Andrei Nekrasov. Nun hat Nekrasov neue Details veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass es bei den »Panama Papers« womöglich weniger um schwarze Konten als um schwarze Geopolitik ging, und dass eine altehrwürdige Zeitung eine Schlüsselrolle bei der Verbannung seines brisanten Films gespielt haben könnte.
  • Das Omidyar-Netzwerk: Von The Intercept über Correctiv bis Euromaidan: Das globale NGO- und Medien-Netzwerk des US-Milliardärs Pierre Omidyar. Da könnte selbst Soros neidisch werden.
  • »Knifflig«: Ein Scharmützel zwischen dem (NATO-konformen) Schweizer Onlinemagazin Watson und den deutschen Publizisten Schreyer und Bröckers (»Wir sind die Guten«). (Mehr zu Watson)
  • Butter bei die Fische: Das Schweizer Onlinemagazin Republik thematisiert republik­zersetzende »Verschwörungs­theorien«, und das deutsche Onlinemagazin Rubikon kontert. Man beachte die Position der beiden R-Magazine im Mediennavigator – und dass der Textchef der Republik vom deutschen Facebook-Zensor Correctiv kommt. (Im Fluchtpunkt wie üblich: Dr. Ganser)
  • Katzenmusik: Wie die MH17-Untersuchung von Bellingcat manipuliert wurde.
  • Autoritativ: Google versprach an der Münchner Sicherheitskonferenz, künftig »authoritative news« in Youtube und Suchresultaten zu bevorzugen. (Mit dabei: MrWissen2Go von funk)
  • Geheimprozesse: Bekannter Propaganda-Kritiker im Fokus von Bertelsmann und Behörden.
  • »Völlig unangefochten«: »Im politischen Getöse geht beinahe unter, dass ein zentraler Befund Muellers völlig unangefochten ist: Russland hat sich «in weitreichender und systematischer Weise» in die Wahlen 2016 eingemischt, mit Hackerangriffen und einer subversiven Kampagne über soziale Netzwerke.« Leider (schon wieder) nein, liebe NZZ. (Mehr zu Trump & Medien)
  • The Brass Check: Vor einhundert Jahren (1919) erschien The Brass Check von Upton Sinclair, die erste moderne und bis heute gültige Medienkritik: »Who owns the press, and why? When you read your daily paper, are you reading facts, or propaganda? And whose propaganda? Who furnishes the raw material for your thoughts about life? Is it honest material? No man can ask more impor­tant questions than those; and here for the first time the questions are answered in a book.«
  • USA kehren offiziell zur Monroe-Doktrin zurück: Verkündete der Nationale Sicherheits­berater und CFR-Vertreter John Bolton. Die Monroe-Doktrin von 1823 war eine Reaktion auf die sog. Heilige Allianz zwischen Russland, Preußen, Österreich und Frankreich von 1815/18, die den Angelsachsen zu gefährlich und schließlich durch den Krimkrieg von 1853–1856 beendet wurde. Die Heilige Allianz war die letzte europäische Sicherheits­architektur mit Einbezug Russlands.
  • Atlantik-Brücke »Es steht zwar deutsch-amerikanische Freundschaft drauf, aber letztlich ist sie eher ein Trans­missions­mecha­nismus für amerikanische Ideen nach Europa.« Und: »Die Souverä­nitäts­frage ist auch das, was letztlich die AFD von der CDU unterscheidet.« Prof. Max Otte, Mitglied der Atlantikbrücke, des American Council on Germany, und der CDU-Werteunion.
  • Bilderberg-Gruppe: Der französische Europapolitiker und ehemalige Präsident­­schafts­kandidat de Villiers legt nach. Der zitierte ehemallige Premier Fillon schweigt. (Mehr dazu)
  • Wien: Österreich erlebte die vergangenen Wochen eine der wohl größten politischen Medien­kampagnen der letzten Jahrzehnte. Im Fokus standen die migrationskritischen Aktivisten der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ), der Anlass war eine dubiose Spende des Christchurch-Protagonisten. IBÖ-Chef Sellner sieht sich im Kampf gegen einen »linken Deepstate« und glaubt, die IBÖ sei »keine geopolitische Organisation«. Doch er dürfte sich irren: Die IBÖ ist eine höchst geopolitische Organisation und ihre wirklichen Gegner sind nicht gutgläubige Migrations­romantiker, sondern transatlantische Geostrategen, die mit Blick auf China und die eigenen Konzerne an geoökonomischen Großräumen jenseits nationalstaatlicher Fragmentierung arbeiten, und für die Umsetzung ihrer in der Bevölkerung kaum mehrheitsfähigen Ziele jene nationalkritischen Gruppierungen einspannen, die sie im Kalten Krieg – mithilfe der nun bekämpften Nationalkonservativen! – noch bekämpft haben. Dieselben Transatlantiker also, die den österreichischen Geheimdienst wegen der »Russland-Nähe« der mitregierenden FPÖ isoliert und in der Vergangenheit auch schon mal einen »Terroranschlag« selbst inszeniert haben, um unliebsame Parteien und Bewegungen – etwa Kommunisten und Atomgegner – zu diskreditieren.
  • Spannend: ORF-Starmoderator und stv. Chefredakteur Armin Wolf zum Mediennavigator: »Ich glaube nicht, dass eine unterstellte „Nato-Orientierung“ ein sinnvolles Substitut für „Qualität“ ist. Also nicht sehr spannend diese Karte.« (Der US Media Navigator wurde derweil aktualisiert.)
  • Übersetzungen: Der Propaganda-Multiplikator wurde ins Spanische, Italienische und Portugiesische übersetzt. Die Logik imperialer Kriege wurde ins Persische übersetzt.
  • Schulen: Wir erhalten zahlreiche Anfragen von Schülern und Lehrern, die unsere Materialien im Unterricht verwenden möchten. Sie dürfen dies gerne tun, doch seien Sie sich bitte bewusst: Es sprechen zwar alle von Medienkompetenz, doch wenn man sie dann wirklich erwirbt – und die Propaganda der eigenen Seite durchschaut – ist das irgendwie auch nicht recht.
Maiglöckchen

Publiziert: Mai 2019

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