Ibiza-Coup: Rückblick

Erkenntnisse und Entwicklungen zum »Regime Change« in Österreich.

Sebastian Kurz, Mitglied des European Council on Foreign Relations, wird nach einem Rekord­ergebnis seiner ÖVP österreichischer Kanzler bleiben. Heinz-Christian Strache, Ex-Chef der FPÖ, zieht sich nach weiteren echten oder angeblichen Skandalen ganz aus der Politik zurück.

Die private »Sicherheitsgruppe«, die Ibiza und andere Aktionen unmittelbar durchführte, wurde vom Rechercheportal EU-Infothek inzwischen ausführlich charakterisiert. Weiterhin offen bleibt die Frage, ob diese Gruppe von Dritten beauftragt oder benutzt wurde.

Der Chef des Schweizer Nachrichtendienstes NDB sprach explizit von einer »erfolgreichen Geheimdienstaktion«, der ehemalige österreichische Innenminister vermutete dies ebenfalls, und der aktuelle österreichische Interims-Innenminister schloss es zuletzt explizit nicht aus.

Klar ist, dass die private Spionagegruppe seit Jahren von Behörden und Geheimdiensten für verdeckte Operationen genutzt wurde und in diesem Zusammenhang auch geschützt wurde und offenbar noch immer wird. Auch die präparierte Ibiza-Finca wurde auf diese Weise vermittelt.

Die Veröffentlichung des Ibiza-Videos war bereits für den Sommer 2017 geplant, scheiterte damals jedoch mangels Abnehmer – womöglich aufgrund des gleichzeitigen Auffliegens der Silberstein-Affäre. Dennoch blieb die Spionagegruppe zwei weitere Jahre lang unangetastet.

Auf die sofortige Absage der Valdai-Diskussionsrunde in Wien, die Isolierung des BVT, die Abhöraktion des BND, die Aussagen eines NATO-Geheim­dienst­offiziers zum »Problem Österreich«, und die zwielichtige Rolle des Berliner »Zentrums für Politische Schönheit« wurde bereits hingewiesen.

In Erinnerung sind ferner die Zersetzungsoperationen gegen Sanders und Corbyn durch die britische »Integrity Initiative«. Diese führte in ihren internen Dokumenten sowohl die österreichischen Wahlen von 2017 als auch die nun anstehenden Wahlen in der Schweiz als Zieldaten auf.

Allerdings beging in der Schweiz niemand den Fehler, mit der Putin-Partei »Einiges Russland« ein Kooperations­abkommen abzuschließen, wie dies die österreichische FPÖ unter Strache und Gudenus im Dezember 2016 – ein halbes Jahr vor Ibiza – bekanntlich tat.

Zur aktualisierten Übersicht: Ibiza: Ein geostrategischer Coup


Publiziert: Oktober 2019

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